Ärzte Zeitung online, 26.03.2009

Walking bei Krebs: Teilnehmer für Studie gesucht

GREIFSWALD (eb). Für das Greifswalder Lebensstil-Interventionsprogramm für Patienten mit Tumorschmerzen (GLIP-T) sucht die Universitätsklinik Greifswald noch Teilnehmer.

Die Studie zielt darauf ab, typische Nebenwirkungen in der Krebstherapie durch leichtes körperliches Training, intensive persönliche Betreuung und Ernährungsumstellung positiv zu beeinflussen. "Tumor-Patienten mit Schmerzen fühlen sich oft müde und abgeschlagen, sind schnell überfordert und durch eine damit einhergehende Aktivitätsabnahme im privaten und beruflichen Umfeld beeinträchtigt", erläuterte Oberarzt Dr. Andreas Jülich. "Hauptursachen sind die Erkrankung selbst, die Chemotherapie oder Bestrahlung. Aber auch psychologische Faktoren und Ernährungseinflüsse wirken sich negativ auf das allgemeine Wohlbefinden aus. Die Betroffenen bauen durch Bewegungsmangel Muskelmasse ab und verlieren ihre Leistungsfähigkeit, sodass der Schwächezustand nicht selten noch lange nach der Behandlung anhält." Ein weiterer häufiger Nebeneffekt seien ständige Verstopfungen, die vor allem durch Schmerzmedikamente hervorgerufen werden.

Im Rahmen der Greifswalder Studie sollen das Zusammenwirken von Schmerztherapie, medizinpsychologischer Beratung, Bewegung und gezielter Nahrungsergänzung und ihre Auswirkungen auf die Lebensqualität der Patienten untersucht werden. Krebspatienten aus Greifswald und der näheren Umgebung erhalten eine individuell abgestimmte Schmerztherapie und ergänzende Maßnahmen wie eine Schmerzbewältigung und Motivation basierend auf medizinpsychologischen Konzepten sowie ein an ihren Gesundheitszustand angepasstes körperliches Training. Dreimal die Woche ist ein Treffen mit dem Studienteam vorgesehen, das vorsichtig dosiertes körperliches Ausdauertraining in Form von kleineren Walkingeinheiten einschließt. Durch die regelmäßige Einnahme von Naturheilmineralien soll darüber hinaus die für die Patienten unangenehme Darmträgheit überwunden werden. An der Studie können Patienten mit der Diagnose Krebs und gleichzeitig vorliegender Darmträgheit oder Einnahme von stuhlgangsfördernden Medikamenten teilnehmen. Die Patienten müssen in der Lage sein, dreimal die Woche am Walkingtraining teilzunehmen. Ausschlusskriterien sind eine sehr schwere Krebserkrankung, eine noch frische Operation, Demenz und Depressionen. Auch Vegetarier können leider nicht teilnehmen.

Am Donnerstag, dem 9. April 2009, findet um 15.00 Uhr eine öffentliche Informationsveranstaltung zur Studie im Klinikneubau der Uniklinik Greifswald (Hörsaal Nord) in der Sauerbruchstraße statt.

Ansprechpartner am Universitätsklinikum Greifswald sind:

Professor Michael Wendt

Direktor der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin

Friedrich-Loeffler-Straße 23 b

17475 Greifswald

Tel.: 03834 86-58 01

Studienleiter Dr. Andreas Jülich

Te.: 03834 86-58 46 / 86-66 96

E-Mail: ajuelich@uni-greifswald.de

Homepage der Klinik: http://www.klinikum.uni-greifswald.de

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Werden europäische Männer immer unfruchtbarer?

Männern haben immer weniger Spermien. Direkte Rückschlüsse auf Fruchtbarkeit erlaubt das nicht – es könnte aber nur die Spitze eines Eisbergs gesundheitlicher Probleme sein. mehr »

Psychotherapie soll künftig Unifach werden

Ein einheitliches Berufsbild, Studium an der Uni. Die Psychotherapeutenausbildung steht vor umwälzenden Veränderungen. Kritiker vermissen beim Entwurf aber Konkretes zum Thema Weiterbildung. mehr »

Ist die menschliche Entwicklung am Ende?

Über Hunderttausende von Jahren ist der Mensch zu dem geworden, was er heute ist. Und nun? Ein Grimme-Preisträger fragt sich, ob Unsterblichkeit erstrebenswert ist und wohin uns die Evolution führen wird - oder kann der Mensch sie austricksen? mehr »