Ärzte Zeitung online, 28.04.2009

Patienten mit Tumorschmerzen sind immer noch unterversorgt

LEIPZIG (eb). Krebserkrankungen sind oft mit starken Schmerzen verbunden. Obwohl wirksame Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen, erhalten auch in Deutschland immer noch nicht alle Tumorpatienten eine angemessene schmerzlindernde Therapie. Wie sich das ändern lässt und welche neuen Therapien es gibt, diskutieren Anästhesisten und Intensivmediziner auf ihrem Kongress im Mai.

Studien zufolge könnten etwa 95 Prozent aller Patienten mit Tumorschmerzen ausreichend schmerzlindernd behandelt werden. Dennoch erhält weltweit nur ein Bruchteil der Betroffenen eine adäquate Therapie. Wie eine aktuelle Übersichtsarbeit zeigt, schneidet Deutschland im internationalen Vergleich zwar verhältnismäßig gut ab, doch auch hier sind noch viele Patienten unterversorgt.

"Dieses Problem müssen wir dringend lösen", so Dr. Andreas Kopf von der Charité Berlin in einer Mitteilung der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI). "Über 300 000 Menschen erkranken in Deutschland jährlich an Krebs. Davon haben 25 Prozent schon frühzeitig und 75 Prozent in späteren Krankheitsstadien Schmerzen."

Kopf führt die Unterversorgung vor allem auf Wissensdefizite zurück. "Diese sollte es aber eigentlich nicht mehr geben. Der Tumorschmerz war in den letzten Jahren immer ein wichtiges Thema in Fortbildungen und Therapie-Empfehlungen", so Kopf.

Die größten Fortschritte bei der Behandlungsqualität seien deshalb auch nicht durch neue Medikamente und Therapien zu erwarten, sondern durch eine konsequente und flächendeckende Umsetzung der vorliegenden Therapie-Empfehlungen. Der Experte plädiert zudem dafür, dass sich angehende Ärzte bereits im Studium mit dem Thema beschäftigen.

Neue wissenschaftliche Erkenntnisse finden fortwährend Eingang in die Behandlungs-Empfehlungen. So haben aktuelle Studien gezeigt, wie wichtig eine regelhafte und strukturierte Schmerzmessung und eine gezielte Patientenaufklärung sind. Die aktuellen Empfehlungen zur Tumorschmerztherapie betonen zudem die Bedeutung von Diagnose und Therapie sogenannter Durchbruchschmerzen. Dabei handelt es sich um anfallsartige, kurze Schmerzspitzen, die trotz einer Therapie mit lange wirkenden morphinartigen Schmerzmitteln auftreten. "Betroffene benötigen zusätzlich kurz wirkende Schmerzmittel, deren Dosis wir bei jedem Einzelnen individuell ermitteln müssen", berichtet Kopf.

Diese und weitere Neuerungen in der Tumorschmerztherapie diskutieren Experten vom 9. bis 12 Mai beim Deutschen Anästhesiecongress DAC im Congress Center Leipzig. Dabei soll es unter anderem um die Vorbeugung von Nebenwirkungen wie Übelkeit und Verstopfung sowie die Behandlung sogenannter neuropathischer Schmerzen gehen. Diese treten auf, wenn das Krebsleiden Nervenfasern beschädigt.

Auf den Tumorschmerz aufmerksam zu machen und das Leiden durch umfassende Information von Ärzten lindern zu helfen, ist auch das Ziel des "Global Year Against Cancer Pain". Dieses hat die Internationale Schmerzgesellschaft (IASP) im vergangenen Oktober ausgerufen

www.dac2009.de/

www.iasp-pain.org

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