Ärzte Zeitung online, 20.05.2009

Neue radiologische Techniken helfen bei Krebs

BERLIN (dpa). Röntgenärzte können Krebspatienten nach Einschätzung des Tübinger Radiologen Claus Claussen heute besser und gezielter helfen als noch vor zehn Jahren. Hauptgrund seien moderne bildgebende Verfahren, sagte Claussen am Mittwoch zu Beginn des Deutschen Röntgenkongresses in Berlin. Durch sie seien Radiologen nicht mehr allein an der Diagnose einer Krebserkrankung beteiligt. Sie könnten heute auch bei Therapien mitwirken, die individuell auf Patienten zugeschnitten sind.

Durch Computertomografie (CT), Magnetresonanztomografie (MRT), Positronen-Emissionstomografie (PET) sowie kombinierte Geräte (PET/CT) könne Krebs heute viel schneller entdeckt werden als früher, betonte Kongresspräsident Claussen. "In einer Computertomografie wird in 30 Sekunden der ganze Körper abgebildet." Dabei würde nicht nur der Tumor, sondern auch ein Großteil der möglichen Metastasen erfasst. "Das ist inzwischen ein so präzises Verfahren, als ob man den Körper aufschneidet." Kernspin-Verfahren könnten anders als früher heute auch Organe abbilden, die sich bewegen. Das sei besonders für die Diagnostik am Herzen von großer Bedeutung.

Die jüngste technische Errungenschaft sei die Kombination der bislang unabhängigen Verfahren PET und CT zu Hybridverfahren. "Dabei sind auch Stoffwechselaktivitäten im Bild zu sehen", erläuterte er. Ein Tumor zeichne sich häufig durch einen erhöhten Zuckerstoffwechsel aus. Hybridverfahren könnten diesen erhöhten Stoffwechsel im Köper sichtbar machen und ein genaues Bild von der Struktur der betroffenen Körperregion wiedergeben. Zu sehen sind dann beispielsweise Metastasen im Knochen, die von Brust- oder Prostatakrebs herrühren.

In Zusammenarbeit mit Ärztekollegen aus der Strahlenheilkunde und der Chirurgie rücken Radiologen dem Krebs heute auch therapeutisch zu Leibe. So würden beispielsweise vor der Operation eines Schädeltumors die Gefäße verschlossen, die den Krebs versorgen, sagte Claussen. Bei solchen minimalinvasiven Eingriffen legten die Radiologen einen Gefäßkatheter bis an den Tumor heran und versiegelten seine Arterien. Vor der eigentlichen Op durch Chirurgen minderten diese Eingriffe das Risiko unkontrollierbarer Blutungen im Gehirn.

Zum dem Berliner Kongress haben sich über 7000 Radiologen angemeldet. Sie arbeiten je zur Hälfte in Kliniken oder in Großpraxen.

Zur Kongress-Internetseite www.roentgenkongress.de

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