Ärzte Zeitung online, 02.06.2009

Die etwas andere Überlebensstrategie: Krebspatient wettet gegen seinen Tod

LONDON (dpa). Ein todkranker Krebspatient hat in England gegen sein Sterben gewettet und vorerst gewonnen. Jon Matthews (59) wollte nicht wahrhaben, dass er nur noch wenige Monate zu leben haben sollte, als Ärzte im April 2006 bei ihm einen Tumor diagnostizierten. Seine Überlebensstrategie setzte bei ihm ungeahnte Kräfte frei.

Als Matthews vorhergesagt wurde, das Jahr 2007 nicht mehr zu erleben, wettete er bei einem Buchmacher 100 Pfund, nicht vor dem 1. Juni 2008 zu sterben. Tatsächlich überlebte er und gewann 5000 Pfund (5700 Euro), wie britische Medien berichteten.

Dann legte der Mann nach: Er wettete weitere 100 Pfund, dass er bis zum 1. Juni 2009 überleben wird. Damit wurde er am Montag um weitere 5000 Pfund reicher.

Mit Jackett, Krawatte und einem breiten Lächeln betrat er den Buchmacher-Laden und holte sich seine Geldscheine ab. Zwar hat Matthews sein Testament schon geschrieben und die Beerdigung organisiert, aber er plant eine weitere Anschlusswette: Überlebt er bis zum 1. Juni 2010, gewinnt er weitere 10 000 Pfund. "Ich glaube, ich bin der erste auf der ganzen Welt, der auf sein eigenes Leben wettet", sagte der hagere Mann aus der Grafschaft Buckinghamshire.

"Als ich die Diagnose bekam, wurde mir gesagt, das sei mein Todesurteil", erinnert sich der Witwer. Von den Ärzten im Krankenhaus habe sich niemand an einen vergleichbaren Fall eines durch Asbest hervorgerufenen Tumors erinnert, bei dem ein Patient nach der Diagnose länger als 25 Monate überlebte. "Im Juni habe ich es 38 Monate geschafft", sagte der 59-Jährige.

Einen Teil seiner Gewinne will der Krebspatient für wohltätige Zwecke spenden. "Ich weiß, dass ich schließlich sterben werde, also habe ich für das Geld keine Verwendung."

Ein Sprecher der Buchmacher-Kette William Hill freute sich für den Sieger. "Wir wurden zuvor niemals um die Annahme einer solchen Wette gebeten. Aber als Jon auf uns zukam und versicherte, dass ihm das einen zusätzlichen Anreiz zum Kampf gegen seine Krankheit geben würde, sind wir in die von ihm gewünschte Wette eingestiegen", sagte Sprecher Graham Sharpe. "Noch nie in 30 Jahren war ich so erfreut, einem Kunden seinen Gewinn auszahlen zu können."

Matthews hatte nie mit Asbest gearbeitet, war aber möglicherweise als Schüler dem krebserregenden Stoff ausgesetzt. Nach einem Bericht der "Daily Mail" lebt er mit seinen alten Eltern zusammen und kümmert sich um sie. "Das schlimmste war, ihnen sagen zu müssen, dass ich sterben werde."

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