Ärzte Zeitung online, 10.02.2010
Erfolg mit Antikörper bei inoperablen Riesenzelltumoren am Knochen
NEU-ISENBURG (ikr). Der monoklonale Antikörper Denosumab könnte sich einer aktuellen Studie zufolge außer bei Osteoporose auch zur Behandlung von Patienten mit rezidivierendem oder inoperablem Riesenzelltumor des Knochens eignen.

Ein Riesenzelltumor des Handknochens im Röntgenbild. © Science photo library
Der neue Wirkstoff Denosumab hemmt die Aktivität von Osteoklasten und damit den Knochenabbau, indem er an das RANKL-Protein (Receptor Activator of Nuclear factor-Kappa B Ligand) bindet. Die EU-Zulassung der Substanz zur Senkung des Frakturrisikos bei Frauen nach der Menopause mit Osteoporose und zur Verhinderung des Knochenverlusts infolge ablativer Hormontherapien bei Männern mit Prostatakarzinom und erhöhtem Frakturrisiko steht kurz bevor.
Eine Arbeitsgruppe um Dr. David Thomas vom Peter MacCallum Cancer Center in Melbourne in Australien hat nun in einer Phase-II-Studie 37 Patienten mit rezidvierendem oder inoperablem, nicht-malignem Riesenzelltumor mit dem Antikörper behandelt (Lancet Oncology Online). Die Patienten erhielten einmal monatlich 120 mg Denosumab subkutan und im ersten Monat zusätzlich an den Tagen 8 und 15. Außerdem sollten die Patienten täglich Kalzium und Vitamin D einnehmen.
Die wesentlichen Ergebnisse: Bis zur 25. Woche hatten 35 Patienten (86 Prozent) auf die Therapie angesprochen, das heißt, mindestens 90 Prozent der Riesenzellen wurden eliminiert oder es war keine radiologische Progression erkennbar. Außerdem hatten 26 von 31 Patienten auch klinisch auf den Antikörper angesprochen. So hatten sich die Schmerzen verringert sowie Funktion und Beweglichkeit des betroffenen Gelenks verbessert. Der Knochenumsatz wurde rasch und anhaltend gebremst. Bei 33 von 37 Patienten traten unerwünschte Wirkungen auf - meist Schmerzen wie Rücken- und Kopfschmerzen.
Die beiden deutschen Experten Dr. Maurice Balke von der Universität in Witten-Herdecke und Privatdozent Jendrik Hardes von der Universitätsklinik in Münster begrüßen die neuen Studiendaten. Sie könnten künftig die klinische Praxis bei Patienten mit komplizierten Riesenzelltumoren verändern, kommentieren sie in Lancet Oncology Online.
Einige Riesenzelltumoren haben eine ungünstige Lage
Riesenzelltumoren entstehen häufig an den epiphysären Wachstumszonen der langen Röhrenknochen. Man findet den Tumor jedoch auch an Gelenken oder im Gelenk selbst wachsend, etwa am Knie, an Füßen oder Fingern. Betroffen von Riesenzelltumoren sind meist Jugendliche oder junge Erwachsene. Der Tumor ist mit etwa neun Neuerkrankungen pro einer Million Einwohnern eher selten. Riesenzelltumoren sind meist gutartig, können jedoch Schmerzen verursachen und die betroffenen Gelenke zerstören. Die Standardtherapie ist die Operation. Allerdings können die Riesenzelltumoren nach einer Strahlentherapie oder mehrmaliger Rezidivierung maligne werden. Außerdem sind einige dieser Tumoren nicht operabel, etwa weil es sich um multiple Läsionen handelt oder der Tumor ungünstig liegt, etwa an der Wirbelsäule.
Zum Abstract der Originalpublikation "Denosumab in patients with giant-cell tumour of bone: an open-label, phase 2 study"

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