Ärzte Zeitung online, 19.02.2010

Maßgeschneiderter Bluttest für Krebskranke

SAN DIEGO (dpa). Ein neuer Bluttest für Krebskranke kann winzige Rückstände von Tumorzellen im Körper nachweisen, die konventionellen Verfahren verborgen bleiben. Der bisher noch experimentelle Test soll Ärzten helfen, ihre Patienten besser zu überwachen und notfalls früher einzugreifen, um Metastasen vorzubeugen.

Patienten, die nach einer Operation bereits krebsfrei sind, könnte das Testergebnis in Zukunft weitere Behandlungen ersparen. "Der Test zeigt, wer geheilt ist und wer nicht", sagte der US-Onkologe Dr. Victor Velculescu am Donnerstagabend auf der Jahrestagung des weltgrößten Wissenschaftsverbandes AAAS (American Association of the Advancement of Science) in San Diego. Velculescu hatte den Test mit einem Team von Krebsexperten an der Johns Hopkins Universität in Baltimore entwickelt.

Bei ihren ersten Patienten entdeckten die Forscher jeweils 4 bis 15 Reorganisationen der DNA. Sie sind der Fingerabdruck eines Krebses. An ihm können die Forscher erkennen, ob noch Krebszellen im Körper sind. Der Tumor sondert DNA in die Blutbahn ab, die dort vom maßgeschneiderten Erbgut-Scan entlarvt wird (Science Translational Medicine 2010, online vorab).

Für jeden Bluttest muss also zunächst der Fingerabdruck des Krebses ermittelt werden. Das ist derzeit noch kostspielig, gab Velculescu zu. Der Preis für den Erbgut-Scan liege in den USA derzeit noch bei etwa 5000 Dollar (derzeit 3700 Euro). In wenigen Jahren dürfte das Verfahren aber nicht mehr teurer sein als die derzeit übliche Computertomografie (CT).

Bisher haben die Forscher ihren Bluttest erst an sechs Patienten getestet worden, vier von ihnen hatten Darmkrebs und zwei Brustkrebs. Der Test könne aber genauso jede andere Art von Krebs überwachen helfen, sagt Velculescu. Er schätzt, dass er bereits in gut zwei Jahren in Kliniken zum Einsatz kommen dürfte.

Kein Krebs gleicht dem anderen, erläuterte Velculescu in San Diego, und es gibt keinen gemeinsamen Biomarker, der ihn entlarven würde. Deshalb fahndet das Team mit modernsten Sequenziergeräten im Erbgut von Patienten nach dem sogenannten Fingerabdruck der jeweiligen Tumoren. Statt auf einzelne Gene konzentrieren sie sich jedoch auf größere Erbgutstücke, in denen sich ganze Abschnitte verschiedener Erbgutträger (Chromosomen) neu gruppiert haben. Solch eine Reorganisation komme nur in Krebszellen vor, so Velculescu.

Ihre Studie veröffentlichten die Forscher im Fachjournal "Science Translational Medicine". Derzeit ist der Abstract der Studie noch nicht verfügbar, sobald sie online steht, finden Sie den Abstract hier

[21.02.2010, 12:57:45]
Dr. Nabil Deeb 
Personalisierte Krebsmedizin in der Wissensgesellschaft !



Nabil DEEB
Arzt – Physician – Doctor
PMI-Registered Doctors'Association
53140 Bonn / GERMANY


Personalisierte Krebsmedizin :-

Das Proteom ist die Gesamtheit aller Proteine, die in einem biologischen System zu einem bestimmten Zeitpunkt anzutreffen sind. In einer einzigen Zelle können mehr als 100.000 verschiedene Proteine in höchst unterschiedlichen Mengen vorhanden sein. Während das Genom, also die in der DNA festgelegte Erbinformation, zeitlebens gleich bleibt, gibt das Proteom den jeweils aktuellen Zustand eines biologischen Systems wieder.

Darauf beruht die Hoffnung der Proteomik, durch die Suche nach Veränderungen in der Proteinzusammensetzung, beispielsweise vor und nach Verabreichung eines Medikaments, die Chancen der medizinischen Behandlung zu verbessern. Biomarker sind charakteristische Muster bestimmter Moleküle, die spezifische biologische Vorgänge anzeigen. Sie können darüber Auskunft geben, ob ein Patient auf eine Behandlung anspricht.

Krebs hat molekulare Ursachen. Zufällige Mutationen in irgendeiner Körperzelle führen dazu, dass Wachstumssignale verstärkt, Reparatur- oder Schutzsysteme ausgeschaltet werden. Erst wenn mehrere dieser Erbgut-Veränderungen ungünstig zusammentreffen, entsteht Krebs. Da es immens viele mögliche Kombinationen von Genfehlern gibt, die zu einem ähnlichen Ergebnis führen können, ist jeder Tumor einmalig. Hinzu kommt, dass die ererbte genetische Grundausstattung des Patienten ebenfalls eine Rolle spielt. Es erscheint daher logisch, Krebserkrankungen zunächst molekular zu analysieren, um sie anschließend individuell behandeln zu können.

In der personalisierten Medizin werden Erkenntnisse aus der Molekularbiologie, der Diagnostik und der Therapie verknüpft. Dabei werden durch so genannte Biomarker Patientengruppen identifiziert, die auf eine bestimmte Therapie ansprechen, bei denen sie ohne Erfolg bleibt oder bei denen mit schweren Nebenwirkungen zu rechnen ist. Als Beispiele für die personalisierte Medizin wurden neue Behandlungsformen bei Krebs, AIDS und Rheuma genannt.

Grundsätzlich erfuhr die Suche nach Biomarkern in jüngster Zeit durch die Anwendung sogenannter Hochdurchsatzverfahren einen enormen Aufschwung. Abhängig von den molekularen Zielstrukturen kann die Suche nach krankheitsspezifischen Biomarkern auf folgenden molekularen Ebenen erfolgen:
• dem Genom (Suche nach Gen-Polymorphismen, SNP‘s)
• dem Transkriptom (die Gesamtheit aller zu einem bestimmten Zeitpunkt in einer Zelle oder einem Gewebe hergestellten Boten-RNA-Moleküle)
• dem Proteom (die Gesamtheit aller zu einem bestimmten Zeitpunkt in einer Zelle oder einem Gewebe synthetisierten Proteine) .
Auch wenn durch diese Strategie potenzielle Einzelmoleküle als Biomarker identifiziert werden können, so hat die Erfahrung gezeigt, dass gerade für die multifaktoriellen Erkrankungen wie Rheuma oder Krebs erst bestimmte Muster von mehreren pathologisch veränderten Molekülen in der Lage sind, klinisch sehr ähnliche Erkrankungen auf molekularer Ebene zu unterscheiden. Daher spricht man auch vom sogenannten Biomarker-Profiling.

Schädigungen der DNA-Sequenz verursachen nach neuen Erkenntnissen nur etwa die Hälfte aller Krebserkrankungen. Genauso wichtig – und erheblich schlechter verstanden – sind die epigenetischen Ursachen von Krebs, bei denen die Steuerung des Erbguts dauerhaft gestört ist.

Die Chromosomen bestehen aus DNA neben etwa fünfzig Prozent aus Proteinen. Diese Proteine sind DNA-Verpackungsmaterial , steuern gezielt die Aktivierung und Deaktivierung von Genen , und sie ermöglichen den ca. 100 Billionen Zellen des Menschen, ihre spezifische Formen und Funktionen einzunehmen, obwohl diese Zellen ein- und dieselbe DNA-Sequenz enthalten .

Wie die meisten komplexen Systeme ist auch die Regulation der Gen-Aktivität durch die Proteinverpackung der DNA anfällig für Fehler. Zwar können die meisten Schäden erfolgreich repariert werden, aber manchmal gerät die Gen-Regulation einer Zelle endgültig außer Kontrolle und die Zelle verwandelt sich in eine Krebszelle. Derartige Veränderungen am Erbgut sind genauso wichtig für die Krebsentstehung wie die allgemein bekannten DNA-Mutationen, obwohl die DNA-Sequenz dabei selbst keinen Schaden nimmt . Zur Abgrenzung spricht man von epigenetischen Modifikationen , im Gegensatz zu genetischen Veränderungen, bei denen die DNA-Sequenz verändert wird.

Die fundamentalen Errungenschaften der modernen Genomforschung, die technischen Fortschritte auf dem Gebiet der Molekularbiologie und Biochemie, verbesserte Diagnosemethoden und die neuen Techniken der Medikamentenentwicklung gegen Krebszellen ermöglichen die Entwicklung einer maßgeschneiderten, personalisierten Krebsbehandlung. Entscheidend ist dafür die Entdeckung von molekularen „Fehlschaltungen“ in Krebszellen, die durch geeignete Diagnoseverfahren entdeckt und durch Medikamente mit molekular gezielter Wirkung korrigiert werden können.

Große internationale Studien bestätigen den Erfolg personalisierter Therapiekonzepte in der Krebsmedizin. So konnten bei Patienten mit Lymphdrüsenkrebs, Myelom, Brust-, Prostata- oder Darmkrebs in den letzten Jahren mit maßgeschneiderten, personalisierten Krebstherapien das therapeutische Ansprechen und das Überleben von Tumorpatienten signifikant gesteigert werden. Diese Erfolge haben inzwischen zu einer breiten Anwendung dieser neuen Krebstherapeutika geführt .

Die Krebs-Epigenetik beschäftigt sich mit molekularbiologischen Veränderungen, die zu einer dauerhaften Störung der Gen-Regulation bei gleichzeitig intakter DNA-Sequenz führen. Insbesondere handelt es sich dabei um Veränderungen an den Proteinen, die die DNA verpacken und organisieren. Von einem besseren Verständnis dieser Mechanismen erhofft man sich neue Möglichkeiten zur Krebs-Früherkennung, zur Krebsdiagnose und zur Krebsbehandlung.

Die Entwicklung von molekular zielsicheren Krebstherapeutika eröffnet vielen Krebspatienten die Chance auf eine besser wirksame Behandlung mit geringeren Nebenwirkungen im Vergleich zu einer klassischen Chemotherapie und besseren Überlebenschancen. Zu diesen modernen Krebsmedikamenten zählen Immunstoffe (Antikörper) wie Herceptin®, Erbitux®, Mabthera®, MabCampath® oder Avastin® und neue Krebsmedikamente wie Glivec®, Tarceva®, Iressa®, Nexavar®, Sutent® oder Afinitor®. Der Einsatz dieser Medikamente erfolgt entsprechend den individuellen biologischen Kennzeichen einer Krebserkrankung und erfordert in der Regel eine aufwändige Krebsdiagnostik und viel Erfahrung von seiten des behandelnden Krebsspezialisten im Umgang mit diesen Medikamenten.


Literatur :-
1.- Roloff, T.C. and U.A. Nuber Chromatin, epigenetics and stem cells. European Journal of Cell Biology 84, 123-35 (2005 ) ;
2. - Arney, K.L. and A.G. Fisher , Epigenetic aspects of differentiation. Journal of Cell Science 117, 4355-63 (2004). ;
3. - Feinberg, A.P., R. Ohlsson and S. Henikoff, S. .The epigenetic progenitor origin of human cancer.; National Review of Genetics 7, 21-33 (2006).:
4. Rest der Literatur beim Verfasser .


Personalisierte Krebsmedizin in der Wissensgesellschaft !!!

Personalized Cancer Medicine in the knowledge society !!!

Personalized Medicine cancer dans la société de la connaissance !!!

Mit freundlichen kollegialen Grüßen

Ihr
Nabil DEEB
Arzt – Physician – Doctor
PMI-Ärzteverein e.V.
Palästinamedico International Ärzteverein – ( P M I ) e.V.
Department of Medical Research
Département de la recherche médicale
P.O. Box 20 10 53
53140 Bonn – Bad Godesberg / GERMANY

&

Nabil DEEB
Arzt – Physician – Doctor
PMI-Ärzteverein e.V.
Palästinamedico International Ärzteverein – ( P M I ) e.V.
Department of Medical Research
Département de la recherche médicale
P.O. Box 10 01 35
53439 Bad Neuenahr / GERMANY

e.mail: doctor.nabil.deeb.pmi.germany@googlemail.com

or

e.mail: doctor.nabilabdulkadirdeeb@googlemail.com


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