Ärzte Zeitung online, 23.02.2010

Publikationen des RKI zur Darstellung des Krebsgeschehens in Deutschland

BERLIN (eb). Das Robert Koch-Institut (RKI) hat mit zwei Publikationen eine umfassende Darstellung des Krebsgeschehens in Deutschland vorgelegt. Die Veröffentlichungen enthalten unter anderem Schätzungen zur Zahl der Menschen mit Krebserkrankung und auch Prognosen für 2010.

Die Veröffentlichung "Verbreitung von Krebserkrankungen in Deutschland" enthält Schätzungen zur Zahl der Menschen, die derzeit an Krebs erkrankt sind, getrennt nach ausgewählten Tumorformen. Die zweite Publikation ist die gemeinsam mit der Gesellschaft der Epidemiologischen Krebsregister in Deutschland (GEKID) herausgegebene neue Auflage von "Krebs in Deutschland". Sie enthält Schätzungen zu Krebsneuerkrankungen von 1980 bis 2006 und erstmals auch Prognosen für das Jahr 2010. Hier werden die Daten, Erkrankungs- und Sterberaten, Risikofaktoren sowie Überlebensaussichten für ausgewählte Einzellokalisationen dargestellt.

In Deutschland leben hochgerechnet auf 2010 geschätzte 1,45 Millionen Menschen mit einer Krebserkrankung (die höchstens fünf Jahre zuvor entdeckt wurde). Diese Zahl ist seit 1990 um 40 Prozent bei den Frauen und um 90 Prozent bei den Männern gestiegen, was eine zunehmende Belastung für das Gesundheitswesen bedeutet. Gründe für den Anstieg sind die zunehmende Zahl älterer Menschen, verbesserte Überlebensaussichten und teilweise gestiegene Erkrankungsraten, auch aufgrund verstärkter Früherkennungsmaßnahmen. Der höhere Anstieg bei den Männern ist auch eine Folge des zweiten Weltkriegs: Aufgrund der hohen Zahl gefallener Soldaten gab es in Deutschland lange vergleichsweise wenige ältere Männer. Diese demografische Lücke ist inzwischen weitgehend geschlossen.

Bislang können die bundesweiten Zahlen nur geschätzt werden, da noch nicht aus allen Bundesländern hinreichend vollzählige Meldungen in den Krebsregistern vorliegen. Durch das 2009 in Kraft getretene Bundeskrebsregisterdatengesetz sind Fortschritte in der Analyse und Darstellung des Krebsgeschehens zu erwarten. Die Bundesländer sind nun erstmals verpflichtet, dem RKI flächendeckende und vollzählige Daten aus den Landeskrebsregistern zu übermitteln. Umgekehrt sollen die bundesweit aufbereiteten Daten den Ländern rasch zur Verfügung gestellt und auch an Dritte für wissenschaftliche Auswertungen weitergegeben werden.

Die Veröffentlichungen sind auf der Seite des RKI kostenlos abrufbar

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