Ärzte Zeitung online, 26.02.2010
Studie soll klären, was Krebskranke
selbst zur Behandlung beitragen können
BERLIN (bd). Was können Krebspatienten
selbst tun, um ihre Prognose und ihr Wohlbefinden zu verbessern?
Wissenschaftlich wurde diese Frage bisher kaum untersucht. Das soll
jetzt eine große internationale Studie ändern.
In Deutschland gibt es inzwischen bereits vier bis
fünf Millionen Menschen, die Krebs überlebt haben.
Der tertiären Prävention komme daher immer mehr
Bedeutung zu, hat Professor Cornelia Ulrich aus Heidelberg beim
Deutschen Krebskongress gesagt. Die Wissenschaftlerin leitet die neue
Abteilung Präventive Onkologie am Deutschen
Krebsforschungszentrum und dem Nationalen Centrum für
Tumorerkrankungen (NCT).
Ein wichtiges Ziel der neuen Forschungssparte sei es,
Lebensstilfaktoren zu identifizieren, die einen positiven Einfluss auf
den Verlauf der Krebserkrankung nehmen könnten. Die
Krebsprävention müsse dabei individueller werden, so
Ulrich. Individuelle Tumorcharakteristika und Lebensstilfaktoren
müssten zusammengebracht werden, um jedem einzelnen Patienten
gerecht zu werden. Allgemeine Empfehlungen reichten nicht aus.
Am NCT wird jetzt eine große internationale Studie
begonnen, in welcher der Einfluss von Lebensstilfaktoren wie Sport,
Ernährung und medikamentöse Strategien auf das
Überleben und die Lebensqualität bei
Darmkrebspatienten erforscht wird. 3000 Patienten mit Darmkrebs sollen
in die Colocare-Studie aufgenommen werden. Ziel der prospektiven
Kohortenstudie im Rahmen eines internationalen Konsortiums ist es
Ulrich zufolge, die Prognose von Darmkrebspatienten zu verbessern. Sie
wird am NCT Heidelberg und dem Moffitt Cancer Research Center in
Florida durchgeführt.
Mit den Daten der Colocare-Studie wolle man zum Beispiel
herausfinden, ob Aspirin die Prognose bei Darmkrebs verbessern
könne und welche Patienten davon profitieren, denn je nach
genetischer Veranlagung sei die Wirkung unterschiedlich, sagte Ulrich.
Den Stellenwert des Sports für die Krebsprognose wolle man
genau unter die Lupe nehmen.
Die 3000 Patienten, die in den nächsten fünf
Jahren in die Studie aufgenommen werden sollen, werden zum Zeitpunkt
der Diagnose und in der Folgezeit regelmäßig
untersucht und befragt. Molekulare Blut- und Tumorgewebeanalysen sowie
Stuhluntersuchungen sollen im Sinne einer personalisierten
Präventionsmedizin individuelle Strategien zur Verhinderung
eines Krankheitsrückfalls aufzeigen.
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