Ärzte Zeitung online, 26.02.2010

Zusammenarbeit von Krebsselbsthilfe und Krebszentren ist unverzichtbar

BERLIN (ugr). In den etwa 500 Organkrebszentren, die seit 2003 von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifiziert worden sind, sollen die Patienten nach dem neuesten Stand der Wissenschaft behandelt werden. Den Part der sprechenden Medizin übernehmen dabei - außer den Psychoonkologen - oft die Mitarbeiter von Selbsthilfegruppen, deren Einbindung für die Zertifizierung verpflichtend ist.

Zusammenarbeit
von Krebsselbsthilfe und Krebszentren ist unverzichtbar

Geschieht die Beratung auf einem qualitativ hohen Niveau, dann "ist die Krebsselbsthilfe unverzichtbarer Bestandteil der Patientenversorgung", sagt Professor Michael Bamberg von der Universitätsklinik Tübingen beim 29. Deutschen Krebskongress in Berlin. "Selbsthilfe trägt dazu bei, die Mündigkeit der Patienten zu stärken."

Ärzte haben oft nicht so viel Zeit, um auf alle Fragen der Betroffenen einzugehen, und kommen bei Patienten mitunter auch nicht so gut an, wie Bamberg freimütig einräumte. Selbsthilfegruppen dagegen wissen, wo Patienten "der Schuh drückt", können über Therapieverläufe und Medikamentennebenwirkungen aus eigener Erfahrung berichten. "Selbsthilfe trägt dazu bei, die Mündigkeit der Patienten zu stärken."

Kooperation führt zu einer besseren Versorgung

Auch Ralf Rambach aus Bonn von der Deutschen Leukämie- und Lymphomhilfe ist überzeugt, dass die Kooperation zwischen Krebszentren und Selbsthilfeorganisationen zu einer besseren klinischen Versorgung führt. "Wir leisten psychosoziale Unterstützung, vermitteln Informationen zum Leben mit der Erkrankung und tragen dazu bei, dass Patienten zuversichtlicher und damit auch aufgeschlossener gegenüber der Therapie sind."

Die Kooperation zwischen Ärzten und Selbsthilfe in einem Krebszentrum könne jedoch nur gelingen, wenn jeder Partner die Kompetenz des anderen würdigt und man sich regelmäßig austausche. Deutschlandweit gibt es nach Angaben Rambachs unter dem Dach der Krebsselbsthilfe inzwischen 2500 Gruppen.

Die Bedeutung der Patientenvertreter für das System ist den ärztlichen Standesorganisationen deutlich geworden: In die Leitlinien-Erstellung ist die Krebsselbsthilfe einbezogen. Darüber hinaus enthalten neue S3-Leitlinien heute verpflichtend immer auch eine Patientenfassung. Ebenso ist die Krebsselbsthilfe auch im Nationalen Krebsplan vertreten.

Trotz der Erfolge sei auf vielen Ebenen noch Aufklärungsarbeit nötig, so Bamberg: Während die Einbindung der Selbsthilfe bei der Brustkrebsbehandlung selbstverständlich ist, bestehe in anderen Bereichen, etwa beim Prostatakarzinom, noch Nachholbedarf. "Wir sind aber auf einem guten Weg. Wenn wir uns in zwei Jahren hier wieder treffen, hat sich der Kreis geschlossen."

Weitere Berichte vom 29. Deutschen Krebskongress finden Sie auf unserer Sonderseite

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