Ärzte Zeitung online, 07.05.2010

Eltern machen häufig Fehler, wenn sie ihren kranken Kindern Arzneien geben

VANCOUVER (eis). Werden chronisch kranke Kinder zu Hause versorgt, dann machen Eltern bei der Applikation hochwirksamer Medikamente häufig Fehler. In einer kanadischen Studie war jede fünfte Anwendung einer Arznei nicht korrekt.

Eltern machen häufig Fehler, wenn sie ihren kranken Kindern Arzneien geben

Erstaunlich, dass Kinder Medikamente oft in falscher Dosierung bekommen. © Michael Kempf / fotolia.com

Die Wissenschaftler haben 83 kranke Kinder im Alter von 6 Monaten bis 20 Jahren mit Krebs, Sichelzellanämie oder Epilepsie in ihrer häuslichen Umgebung aufgesucht und 544 Medikamenten-Anwendungen von 166 Arzneien überprüft. Die Ergebnisse der Studie haben sie jetzt beim Jahrestreffen der Pediatric Academic Societies in Vancouver in Kanada vorgestellt. Danach bekamen die Kinder ihre Medikamente meist von ihren Müttern (79 Prozent) oder anderen Betreuern (14 Prozent) und nur selten von Vätern (7 Prozent).

Obwohl fast 50 Prozent der Eltern Akademiker waren, gab es oft Fehler bei der Medikation. So wurden häufig nicht die richtigen Dosierhilfen wie Spritzen oder Tablettenteiler verwendet, was zum Beispiel zur Unterdosierung von Analgetika führte, so die Forscher.

Insgesamt wurden 128 falsche Medikamenten-Anwendungen registriert, 73 Mal hätten dadurch Kinder potenziell geschädigt werden können, berichten die Wissenschaftler. Zehnmal seien Kinder durch die Fehler erkrankt. Fehler waren zum Beispiel falsche Dosierangaben für die Chemotherapie wie sechs Tabletten täglich anstatt korrekt sieben Tabletten einmal wöchentlich.

Bei komplexen Einnahmeschemata von Medikamenten brauchen Eltern viel Unterstützung, auch wenn sie gut gebildet sind, betonen die Forscher. Ihnen sollte zudem eingeschärft werden, dass sie sich bei Zweifeln über die richtige Anwendung einer Arznei immer an den Arzt des Kindes wenden sollten.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Langes Arbeiten kann tödlich sein

Eine lange Wochenarbeitszeit erhöht das Risiko für Herzerkrankungen und Krebs. Forscher konnten die Stundenzahl sogar exakt angeben, ab der sich das Risiko stark erhöht. mehr »

Ausschuss reißt Frist des Gesetzgebers

Das neue Qualitätsmaß für Pflegeheime gerät in Verzug. Eine Studie bietet eine Alternative an. mehr »

Jeder dritte Demenz-Fall vermeidbar

Finge die Demenz-Prävention bereits in der Kindheit an, könne die Krankheit bei einem Drittel aller Erwachsenen verhindert werden – so eine Studie. mehr »