Ärzte Zeitung online, 18.08.2010

Mit TCM gegen Schäden durch Chemotherapie?

Kräutermischung heilt geschädigte Darmschleimhaut - bei Mäusen

NEW HAVEN (hub). Eine uralte Kräutermischung aus der chinesischen Heilkunde könnte Patienten während einer Chemotherapie helfen. Durch die Therapie bedingte Schäden in der Darmwand verschwinden mit Hilfe der Kräuter - zumindest im Tierexperiment.

Mit TCM gegen Schäden durch Chemotherapie?

Paeonia ostii: Die Pfingstrose ist ein Bestandteil einer TCM-Kräutermischung, die offenbar die Nebenwirkungen einer Chemotherapie lindern kann.

© Dennis Ng / fotolia.com

Forscher der Yale Universität in den USA haben aus einer klassischen medizinischen Kräutermischung aus China ein standardisiertes Präparat hergestellt. Es enthält Pfingstrose, Helmkraut, Süßholz und Faulbaum. Sie konnten in Experimenten mit Mäusen zeigen, dass diese Kräuterzubereitung in mehrere biologische Prozesse eingreift. Das teilt die amerikanische Vereinigung zur Förderung der Wissenschaften (AAAS) mit.

Für ihre Versuche erhielten Mäuse mit induzierten Tumoren eine Chemotherapie. Diese führte sowohl zu einem Schrumpfen der Geschwüre als auch zu massiven Schäden in der Darmschleimhaut. Die Tiere erhielten nun das Kräuterpräparat. Das Ergebnis: Nach einigen Tagen Behandlung mit dem Präparat - PHY906 genannt - war das geschädigte Darmepithel wiederhergestellt.

Auch dem dahinter stehenden Mechanismus sind die Forscher auf die Spur gekommen: In den Mäusen, die die Kräutermischung erhielten, fanden die Forscher im Darm eine höhere Konzentration von Stammzell-Signalmolekülen des sogenannten wnt-Signalwegs. PHY906 allein stimuliert allerdings nicht die Bildung dieser Signalmoleküle, so die Forscher in der AAAS-Mitteilung.

Das erfolgt erst zusammen mit Enzymen von Darmbakterien. Erst so werde der wnt-Signalweg angestoßen, wodurch letztlich geschädigte Darmstammzellen durch gesunde ersetzt würden. TCM könnte ein Ansatz für künftige Arzneimittel sein, die eine Chemotherapie verträglicher machen.

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