Ärzte Zeitung online, 23.09.2010

Nationales Zentrum beflügelt Strahlenforschung in der Onkologie

HEIDELBERG. (eb). Vor Kurzem ist der Startschuss für die Gründung des nationalen Zentrums zur Strahlenforschung in der Onkologie gefallen. Die beiden Standorte des Zentrums sind Dresden und Heidelberg. Wissenschaftler von Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen arbeiten hier eng zusammen.

Nationales Zentrum beflügelt Strahlenforschung in der Onkologie

Rechnergesteuerte Strahlenblende ("Multi-Leaf-Kollimator")

© Marco Müller / dkfz

Die Forschungscluster OncoRay in Dresden sowie HIRO - das Heidelberger Institut für Radioonkologie - schließen sich zusammen und verfügen so gemeinsam über eine gute Infrastruktur und hohe Kompetenz in der Strahlenforschung. "Das Nationale Zentrum kann einen bedeutenden Beitrag zur besseren Heilung von Krebserkrankungen leisten, nicht zuletzt dank der vorbildlichen Zusammenarbeit exzellenter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen", ist Bundesforschungsministerin Annette Schavan überzeugt. Sprecher des neuen OncoRay-Zentrums sind Professor Michael Baumann und Professor Roland Sauerbrey.

Protonentherapie bei Krebs wird weiterentwickelt

OncoRay ist eine gemeinsame Einrichtung der TU Dresden, des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden sowie des Forschungszentrums Dresden-Rossendorf. Im Mittelpunkt der neuen Forschungseinrichtung in Dresden steht die Protonentherapie. "Auf dem Campus der Dresdner Hochschulmedizin werden Wissenschaftler und Ärzte den Einsatz von Protonen in der Krebstherapie patientennah und jenseits kommerzieller Zwänge weiterentwickeln", erklärt Professor Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums Dresden.

Vorteil dieser ersten Protonentherapieanlage Ostdeutschlands ist, dass Patienten frühzeitig von weiteren Innovationen dieser noch neuen Therapieform profitieren werden, wie es in einer Mitteilung der beiden Institute in Dresden und Heidelberg heißt. Das sei ein wesentlicher Grund für das Universitätsklinikum, sich an der Millioneninvestition zu beteiligen. Außer der Erforschung neuer Strahlenarten entwickeln die Forscher von OncoRay molekulare Medikamente, mit denen Tumorzellen empfindlicher für die Strahlentherapie werden. Ein weiteres Ziel der Wissenschaftler ist die Entwicklung biologischer Bildgebungsverfahren, die helfen sollen, Tumorpatienten präziser und individueller als bisher zu behandeln.

Heidelberg hat einzigartige Ionenstrahltherapie-Anlage

Auch Heidelberg ist ein Vorreiter in der Strahlentherapieforschung: "Mit dem Heidelberger Institut für Radioonkologie HIRO verfügen wir über ein international besonders herausragendes Forschungscluster auf dem Gebiet der Strahlenforschung in der Onkologie", sagt Professor Otmar Wiestler, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ). HIRO vereinigt die Strahlentherapieforschung am DKFZ, dem Uniklinikum Heidelberg, dem Heidelberger Ionenstrahltherapiezentrum HIT am Universitätsklinikum Heidelberg, sowie dem Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT).

So ist das Ende 2009 in Betrieb genommene HIT die europaweit einzige Ionenstrahltherapie-Anlage, die nicht nur Protonen, sondern auch schwere Ionen zur Bestrahlung bei Krebspatienten einsetzt. An der Entwicklung dieser Schwerionen-Therapie war auch das Forschungszentrum Dresden-Rossendorf beteiligt. Weltweit einmalig ist die drehbare Gantry, also das Strahlführungssystem, mit dem der Therapiestrahl so um den Patienten herumgeführt wird, dass der Tumor von allen Seiten bestrahlt werden kann.

Ebenso prominent sind die Entwicklungen aus dem DKFZ zur Präzision der Bestrahlung durch intensitätsmodulierte Strahlenfelder (IMRT) oder die molekularbiologisch optimierte Therapie, die zum Beispiel darauf zielt, das Therapieansprechen von Tumoren durch den Nachweis molekularer Marker vorherzusagen.

Parallel zur Gründung des Nationalen Zentrums für Strahlenforschung in der Onkologie startet in Dresden das Bauvorhaben für eine patientenorientierte Forschungs- und Entwicklungsplattform für innovative Technologien zur Diagnostik und Strahlenbehandlung. Weltweit einmalig an dem Forschungsvorhaben ist, dass in dem bis 2013 fertig gestellten Neubau außer einem konventionellen Protonenbeschleuniger ein zweites Gerät aufgebaut wird, das die Protonen mithilfe von Laserstrahlen beschleunigt.

Laser-Protonenbeschleuniger künftig für die Therapie

Obgleich die neue Lasertechnologie die Teilchen mit einem wesentlich geringeren technischen wie finanziellen Aufwand beschleunigen kann, erwarten die Forscher von der Wirkungsweise und Intensität des Verfahrens Vorteile gegenüber den derzeitigen Geräten. Um dies wissenschaftlich überprüfen zu können, ist die neue Anlage so konzipiert, dass die konventionell und die per Laser beschleunigten Teilchen in das selbe Forschungslabor geleitet werden können. Mit dem mittelfristig entwickelten und aufgebauten Laser-Protonenbeschleuniger können dann auch Patienten behandelt werden.

"Damit entsteht eine Hochtechnologieplattform zur patientenorientierten Forschung, die in dieser Form weltweit einmalig ist", sind Baumann und Sauerbrey überzeugt. "Unsere beiden Standorte ergänzen sich in hervorragender Weise, gemeinsam bilden wir das gesamte Spektrum der Strahlentherapieforschung ab", betonen die Initiatoren des Nationalen Zentrums Radiation Research in Oncology Dresden/Heidelberg, Baumann und Wiestler: "Nur durch strategische Partnerschaften, in die auch die Industrie einbezogen werden muss, können wir im internationalen Wettbewerb bestehen."

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