Ärzte Zeitung online, 24.09.2010

Löcher in Gefäßzellen machen Tumoren resistent gegen Krebsmedikamente

BERLIN (eb). Elektrische Kurzschlussverbindungen zwischen Karzinom-Gefäßzellen sorgen offenbar für eine Mangeldurchblutung der Tumoren, was sie resistenter gegen Chemotherapeutika macht. Forscher sind nun auf der Suche nach Wirkstoffen, die die Steuerung der Gefäßweite wieder herstellt.

Löcher in Gefäßzellen machen Tumoren resistent gegen Krebsmedikamente

Schematische Darstellung von Karzinom-Gefäßen. Blaue und violette Bereiche leiden unter Sauerstoffmangel.

© Charité

Wissenschaftler der Charité - Universitätsmedizin Berlin hatten sich die Frage gestellt, weshalb die Versorgung eines Tumors mit Blut und Sauerstoff häufig fehlgesteuert ist. Ihre Entdeckung kann die Grundlage für Lösungswege sein, um den Zugang für Medikamente zu verbessern. Das Team um Professor Axel Pries, Direktor des Instituts für Physiologie am Campus Benjamin Franklin, beschreibt im Wissenschaftsjournal "Nature Reviews Cancer" (2010; 10 / 8: 587) zusammen mit Wissenschaftlern des Max-Delbrück-Centrums in Berlin Buch, der University of Arizona und der Duke University in North Carolina Ursachen der Fehlversorgung und mögliche therapeutische Angriffspunkte.

Schlechte Durchblutung sorgt für Chemoresistenz

Bekannt ist, dass Blutgefäße in Tumoren nur eine ungleichmäßige Verteilung von Blut und Sauerstoff gewährleisten. Diese suchen sich Umgehungswege, auch als Shunts bezeichnet, wodurch unterversorgte Bereiche entstehen. Allerdings stirbt der Tumor durch die teilweise Mangeldurchblutung nicht komplett ab. "Schlecht durchblutete Tumoren sind im Gegenteil resistenter gegen Therapien mit Medikamenten oder Strahlen", so Pries.

In gesunden Gefäßen bestehen bekanntlich elektrische Verbindungen zwischen jenen Zellen, die das Blutgefäß auskleiden, den Endothelzellen. Diese leiten elektrische Signale über gemeinsam Poren (Gap Junctions), an die Nachbarzellen weiter. Die Berliner Arbeitsgruppe entdeckte unter Verwendung mathematischer Simulationsverfahren, dass in Tumoren durch den Verlust dieser Poren ein wesentliches Signal zur Steuerung der Gefäßweite fehlt. Es entstehen Kurzschlussverbindungen, die dazu führen, dass Teile des Tumors kaum mit Blut oder auch Medikamenten versorgt werden.

Die Kommunikation zwischen Zellen im Fokus

Die Wissenschaftler schlagen vor, diese Verbindungen durch spezielle Substanzen, unter anderen antiangiogene Wirkstoffe, wieder aufzubauen. "Wenn durch eine optimierte Weiterleitung von Informationen zwischen den Zellen das Gefäßnetzwerk im Tumor wieder normal arbeitet, erhält man eine bessere Sauerstoffversorgung und somit die Chance, mit chemotherapeutischen Medikamenten in alle Bereiche des Geschwürs vorzudringen", so Pries. Wie es in einer Mitteilung der Charité heißt, werden die Forscher als nächstes die Mechanismen der Kommunikation zwischen den Zellen genauer analysieren. Fernziel sei die Entwicklung neuer Therapiestrategien gegen solide Tumoren.

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[15.03.2016, 23:22:20]
Manfred Kämmerer 
Sehr geehrter Herr Professor Pries !
Im Abschnitt "Die Kommunikation zwischen Zellen im Fokus" schlagen Wissenschaftler vor, die elektrische Verbindung zwischen den Tumorzellen durch antiangiogene Wirkstoffe wieder aufzubauen.
Darf ich dazu anfragen : sind hierbei richtiger angiogene Wirkstoffe einzusetzen ?

Ich danke Ihnen für die Bemühungen und verbleibe
mit freundlichen Grüßen
Manfred (78) Kämmerer
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