Ärzte Zeitung, 04.10.2010

Karzinome in der Mundhöhle werden immer häufiger

Karzinome in der Mundhöhle werden immer häufiger

Das HPV verursacht auch Karzinome des Pharynx und der Mundhöhle. Die Zahlen nehmen stark zu.

BERLIN (ple). Weltweit erkranken dem aktuellen Globocan*-Report der WHO zufolge jedes Jahr etwa 440 000 Menschen an einem Karzinom der Mundhöhle und des Pharynx, 223 000 sterben an den Folgen. Die häufigsten Auslöser dieser Karzinome sind Tabak- und Alkoholkonsum. Doch immerhin 15 bis 20 Prozent aller Kopf-Hals-Tumoren sind mit einer HPV-Infektion (humane Papillomviren) assoziiert. Es gebe Hinweise, dass diese Entwicklung in Zusammenhang mit Sexualpraktiken, vor allem Oralsex, steht, so die WHO.

Nach Angaben von Dr. Michael Pawlita vom Deutschen Krebsforschungsinstitut in Heidelberg infizieren HPV im Kopf-Hals-Bereich bevorzugt die Tonsillen, die Mundhöhle und den Larynx. Oropharynx-Ca nehmen ihren Ausgang von der Gaumen- oder Zungengrundtonsille.

Wie Pawlita bei der Tagung der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO) in Berlin berichtete, lassen sich in Brasilien in weniger als fünf Prozent der Tonsillenkarzinome HPV nachweisen. Dagegen sind es in den USA bereits 70 Prozent, in Europa etwa 65 Prozent. Insgesamt sei zu beobachten, dass die Inzidenz HPV-assoziierter Plattenepithelkarzinome im Kopf-Hals-Bereich zunimmt. In den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts habe die Inzidenz bei etwa 23 Prozent gelegen, zwischen 2000 und 2007 bereits bei 79 Prozent. Das sei eine bemerkenswerte Zunahme.

Der Wissenschaftler erinnerte daran, dass Patienten mit HPV-positiven Karzinomen eine bessere Prognose haben. Der Grund: Die viruspositiven Tumoren sprechen besser auf eine Chemotherapie und Bestrahlung an.

*Der Globocan-Report 2010 (PDF)

Alle Artikel von DGHO-Kongress 2010 finden Sie auf unserer Sonderseite

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Neuroprothese lässt Gelähmten wieder zugreifen

Eine Neuroprothese ermöglicht einem Tetraplegiker, mit einer Gabel zu essen. Sein Hirn wird dabei per Kabel mit Muskeln in Arm, Hand und Schulter verbunden. mehr »

Mord und Totschlag in deutschen Kliniken?

Eine umstrittene Studie zu lebensbeendenden Maßnahmen in Kliniken und Pflegeheimen erhitzt die Gemüter. mehr »

Psychotherapie-Richtlinie steht vor holprigem Start

Der Start der neuen Psychotherapie-Richtlinie am 1. April löst bei den Beteiligten keine Begeisterung aus. Die Kritik überwiegt. Lesen Sie die aktuellen EBM-Ziffern. mehr »