Ärzte Zeitung online, 27.12.2010

Uni Münster: Carreras-Stiftung fördert Projekte im Kampf gegen Leukämie

MÜNSTER (eb). Mit 512 000 Euro fördert die Deutsche José Carreras Leukämie-Stiftung zwei Forschungsprojekte der Medizinischen Klinik A (Hämatologie/Onkologie) des Uniklinikums Münster (UKM). In beiden Projekten konzentrieren die UKM-Leukämie-Experten ihre Arbeiten auf die Tumorstammzellen: Sie suchen nach Wegen, um die Selbsterneuerung der leukämischen Stammzellen "auszuschalten".

Uni Münster: Carreras-Stiftung fördert Projekte im Kampf gegen Leukämie

Mit ihren Forschungsprojekten im Kampf gegen die Leukämie suchen Privatdozent Dr. Steffen Koschmieder (l.) und Professor Carsten Müller-Tidow nach neuen Wegen, um die Tumorstammzellen "auszuschalten". Dabei werden die Wissenschaftler von der Deutschen José Carreras Leukämie-Stiftung unterstützt.

© UKM

Die Wissenschaftler aus der Klinik von Professor Wolfgang Berdel hoffen, auf diesem Weg langfristig neue Therapieoptionen entwickeln zu können, teilt das UKM mit.

331 000 Euro der Förderung entfallen auf ein Projekt von Privatdozent Dr. Steffen Koschmieder auf dem Gebiet der Chronischen Myeloischen Leukämie (CML). Im Vordergrund steht dabei die Identifikation von Genen, die in der akuten Krankheitsphase ("Blastenkrise") für die Bildung von Tumorstammzellen verantwortlich sind.

"Wir erhoffen uns, diese auslösenden Gene zu identifizieren und auf diesem Weg Möglichkeiten zu finden, die Tumorstammzellen direkt angreifen zu können", wird Koschmieder in einer Mitteilung des UKM zitiert. Bereits jetzt gibt es einen solchen Ansatz mit gutem Erfolg während der chronischen Krankheitsphase. "Dabei kann durch Tabletten das identifizierte Onkogen bei der Mehrheit der Patienten ausgeschaltet werden. Diesen Ansatz verfolgen wir nun auch langfristig für die akute Krankheitsphase", so Koschmieder. Die Förderung erstreckt sich über drei Jahre.

Das zweite durch die Carreras-Stiftung mit 181 000 Euro geförderte Projekt leitet Professor Carsten Müller-Tidow. Hierbei werden die Mechanismen der Selbsterneuerung leukämischer Stammzellen bei der Akuten Myeloischen Leukämie (AML) erforscht. "Die Selbsterneuerung der Stammzellen ist eine der Ursachen für die AML und die Schwierigkeiten in der Leukämietherapie. Unser Ziel ist, die Stammzelleigenschaften der Leukämiezellen gezielt auszuschalten. Wir erwarten, damit die Heilungschancen der Patienten weiter zu verbessern", so Müller-Tidow. Zu diesem Zweck sollen spezielle Antikörpertherapien entwickelt werden.

Die Akute Myeloische Leukämie ist die häufigste akute Leukämieform bei Erwachsenen. In Deutschland erkranken jährlich rund 2500 Menschen. Grundlage der Behandlung ist eine intensive Chemotherapie. Die spezifische Hemmung der Gene, die nachweislich verantwortlich für die Selbsterneuerung der leukämischen Stammzellen sind, könnte hier in der Zukunft als zusätzliche Behandlung eingesetzt werden und auch die Nebenwirkungen der Therapie vermindern, skizziert der UKM-Krebsforscher ein mögliches Einsatzfeld.

Die Erforschung und Therapie von Leukämien ist ein Behandlungsschwerpunkt der Medizinischen Klinik und Poliklinik A. Beide Projekte begannen in diesem Winter.

Deutsche José Carreras Leukämie-Stiftung online: www.carreras-stiftung.de

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