Ärzte Zeitung, 19.01.2011

Dioxin: Ministerium sieht Vorsatz beim Fettpanschen

BERLIN (dpa). Die Verbraucher sollen nach dem Willen der Bundesregierung besser vor Gift im Essen geschützt werden. Das Kabinett beschloss am Mittwoch einen Aktionsplan von Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU).

Für die Futtermittelbranche sollen schärfere Auflagen gelten, die Kontrollen der Länder verbessert werden. Geplant sind auch härtere Strafen für Futtermittelhersteller.

Die Panscherei mit dioxinhaltigen Fetten in Tierfutter läuft nach Vermutung des niedersächsischen Agrarministeriums schon weit länger als seit März 2010.

Der Dioxin-Skandal sei letztlich wohl eine Panne beim illegalen und systematischen Vermischen technischer Fette mit Futterfetten, sagte Ministeriumssprecher Gert Hahne. Er bestätigte einen Bericht der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Die Praxis sei aufgeflogen, weil zu viel belastetes Fett untergemischt worden sei. Anders lasse sich nicht erklären, dass der Futtermittelhersteller Harles und Jentzsch aus Schleswig-Holstein seine Fette jeweils so lange getestet habe, bis die Dioxin-Grenzwerte unterschritten wurden.

Aigner sieht weiter keine akute Gesundheitsgefahr für Verbraucher. "Die Dioxingehalte für Eier und Fleisch liegen bei einigen Proben über dem Grenzwert."

Dies stelle keine unmittelbare gesundheitliche Gefährdung dar. "Trotzdem gilt: Dioxine sind ein Umweltgift." Noch immer seien 931 Höfe bundesweit gesperrt.

Als Reaktion auf den Dioxinskandal fordert der Deutsche Bauernverband eine Entschädigungsregelung für künftige Fälle verseuchter Futtermittel. "Wir wollen einen Rettungsschirm für die gesamte Branche", sagte Bauernpräsident Gerd Sonnleitner am Mittwoch in Berlin.

In den Fonds sollten die Futtermittelhersteller einzahlen. Die Bauern seien durch den Skandal um dioxinverseuchtes Futter unverschuldet in Not geraten, sagte Sonnleitner.

Im aktuellen Fall bezifferte er den Schaden für die von Betriebssperrungen und anderen Maßnahmen betroffenen Bauern auf rund 100 Millionen Euro.

Hinzu kämen Einbußen für die gesamte Branche durch den Preisverfall bei Eiern und Schweinefleisch, die ein Vielfaches davon erreichten.

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