Ärzte Zeitung online, 26.07.2011

Wie Krebszellen dem sicheren Tod entgehen

HEIDELBERG (eb). Wie können Leukämiezellen dem programmierten Zelltod entgehen, wie werden sie resistent gegen Chemotherapie? Das untersuchen jetzt Wissenschaftler in einem neuen "Virtuellen Institut" der Helmholtz-Gemeinschaft.

Wie Krebszellen dem sicheren Tod entgehen

Leukämiezellen, in deren Zellkern sich lediglich ein rotes Signal findet, haben einen Teil des Chromosoms 17 verloren. Das führt zu Resistenz gegen Chemotherapie und Zelltod.

© Mertens, Uni Ulm, DKFZ

Ziel der vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg und von der Universität Ulm koordinierten Forschungsarbeit ist es, herauszufinden, wie sich diese Resistenz durchbrechen lässt, um Krebspatienten besser behandeln zu können, teilt das DKFZ mit.

Der programmierte Zelltod schützt den Körper bekanntlich davor, dass Zellen mit geschädigtem Erbgut zur Gefahr für den gesamten Organismus werden. Bei Krebszellen versagt dieser als Apoptose bezeichnete Schutz jedoch häufig, sie werden resistent gegenüber Signalen, die ihnen den Befehl zur Selbsttötung geben. Das ist besonders fatal, da die Wirkungsweise vieler Chemotherapien darauf beruht, Apoptose auszulösen.

Daher untersuchen Krebsforscher, wie sich die Apoptoseresistenz im Zuge der Krebsentstehung entwickelt und wie sie sich durchbrechen lässt. "Für die erfolgreiche Behandlung von Krebs ist das Verständnis der Resistenz gegen Apoptose und gegen Chemotherapie zentral", wird Professor Peter Lichter aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum zitiert, einer der beiden Sprecher des Virtuellen Instituts.

Die beteiligten Wissenschaftler haben die Chronisch Lymphatische Leukämie (CLL) als Modellsystem ausgewählt. "Unsere Kooperationspartner haben sehr viel Erfahrung mit dieser Erkrankung.

Außerdem gehen wir davon aus, dass sich die an der CLL gewonnenen Ergebnisse auch auf andere Krebsarten übertragen lassen", erklärt Privatdozent Dr. Daniel Mertens von der Universität Ulm, der zweite Sprecher des Forschungsverbunds.

In dem neuen Virtuellen Institut erforschen Wissenschaftler zum einen die Signale, die Krebszellen mit den Geweben ihrer Umgebung austauschen, berichtet das DKFZ. Zum anderen durchsuchen die Forscher das gesamte Erbgut der Leukämiezellen nach Sequenzveränderungen der Gene und nach chemischen Modifikationen einzelner Genbausteine, die die Genaktivität verändern.

Mit diesen Forschungsansätzen wollen sie neue Zielmoleküle identifizieren, die für die Apoptoseresistenz charakteristisch und die als Angriffspunkte für verbesserte Medikamente geeignet sind. Gleichzeitig werden die Forscher große Substanzbibliotheken nach Wirkstoffen durchsuchen, die die neu entdeckten Zielmoleküle spezifisch blockieren können.

Außer Forscher des Deutschen Krebsforschungszentrum sind Wissenschaftler aus dem Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg, den Universitäten Duisburg, Essen, Ulm und Würzburg sowie aus England und Dänemark am neuen Virtuellen Institut beteiligt, heißt es in der DKFZ-Mitteilung.

Mit dem Förderinstrument der "Virtuellen Institute" unterstützt die Helmholtz-Gemeinschaft die Vernetzung insbesondere mit Hochschulen, aber auch mit anderen Partnern im Wissenschaftssystem.

Das Ziel sei, einen unbürokratischen Rahmen zu schaffen, in dem die Wissenschaftler gemeinsam Forschungsvorhaben mit großem Potenzial vorantreiben können. Das Virtuelle Institut, das zum 1. August 2011 an den Start geht, wird über fünf Jahre mit insgesamt 3,65 Millionen Euro gefördert.

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