Ärzte Zeitung online, 02.08.2011

Neue Octapeptide: Chance bei Ovarialkrebs?

HEIDELBERG (eb). Mit neuen Octapeptiden hoffen italienische und deutsche Forscher, die Therapieoptionen bei Ovarial-Ca verbessern zu können. Die Octapeptide wirken auch dann, wenn Krebszellen gegen herkömmliche Chemotherapeutika resistent sind.

Weltweit wird jedes Jahr bei mehr als 200.000 Frauen ein Ovarial-Ca diagnostiziert, erinnert das Heidelberger Institut für Theoretische Studien (HITS).

In Industrieländern seien Ovarialkarzinome sogar die fünfthäufigste durch Krebs hervorgerufene Todesursache bei Frauen. Die Sterberate bei Ovarial-Ca ist hoch, da die Malignome oft erst spät diagnostiziert und schnell gegen Medikamente resistent werden.

Wirkstoffe gegen die Thymidylat-Synthase

Einige häufig in der Chemotherapie eingesetzte Krebsmedikamente hemmen die Thymidylat-Synthase, ein Schlüsselenzym der DNS-Synthese und damit auch des Krebswachstums.

Der Einsatz dieser Mittel führe jedoch häufig zu einer Medikamentenresistenz, so dass neue Verbindungen mit anderen Wirkmechanismen benötigt werden, heißt es in der Mitteilung des HITS.

Forscher aus Italien und Deutschland haben jetzt Octapeptide entwickelt, die spezifisch an die Protein-Protein-Kontaktfläche der Thymidylat-Synthase binden (PNAS 2011, online am 27. Juli). Die Thymidylat-Synthase besteht aus zwei identischen Polypeptidketten, das heißt, sie ist ein sogenanntes Homodimer.

Die Octapeptide stabilisieren die inaktive Form des Enzyms - ein neuartiger Mechanismus zur Hemmung homodimerer Enzyme. Bisher bekannte Inhibitoren blockieren dagegen die Protein-Protein-Kontaktflächen.

Konzentration des Enzyms wird nicht erhöht

Mit den neuen Peptiden ist es möglich, die Aktivität der intrazellulären Thymidylat-Synthase und das Krebszellwachstum zu hemmen, ohne dabei die Konzentration des Enzyms zu erhöhen, erläutert das HITS in seiner Mitteilung. Dadurch unterschieden sie sich von den bereits vorhandenen Medikamenten, die bei Frauen mit Ovarial-Ca angewandt werden.

"Diese Beobachtung deutet auf den potenziellen Wert dieser Peptide bei der Überwindung der Medikamentenresistenz hin", wird Dr. Rebecca Wade vom HITS, eine der Studienautorinnen, in der Mitteilung zitiert.

"Allerdings sind die zellulären Effekte noch nicht vollständig erforscht." In weiteren Schritten müssten die gefundenen Verbindungen optimiert und ihr zellulärer Aktionsmechanismus im Detail analysiert werden.

Das interdisziplinäre Projekt wurde von Forschern der Universität Modena und Reggio Emilia (UNIMORE), der Universität Siena (UNISI) und des Heidelberger Instituts für Theoretische Studien (HITS) geleitet.

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