Ärzte Zeitung online, 03.08.2011

Gift soll Chemo in Krebszellen bringen

MÜNCHEN (eb). Forscher setzen auf Shiga Toxin B, um die Optionen bei Pankreas-Ca zu verbessern. Das Protein soll radioaktive oder chemotherapeutische Substanzen transportieren.

Shiga Toxin B soll Chemo direkt in Krebszellen transportieren

Mikroskopie eines Pankreas-Tumors:. Fluoreszenz-markiertes Shiga Toxin B wurden Krebszellen rot angefärbt, die den Rezeptor Gb3 ausprägen (grün).

© Klinikum rechts der Isar

Forscher der Chirurgischen Klinik des Klinikums rechts der Isar der Technischen Universität München haben eine neue Strategie zur gezielten Therapie bei Pankreas-Ca mitentwickelt.

Dabei konnte das Protein Shiga Toxin B als Wirkstofftransporter für Medikamente eingesetzt werden, teilt das Klinikum rechts der Isar der TU München mit. Die Originalarbeit wird in der aktuellen Ausgabe von "Molecular Cancer Therapeutics" (online 25. Juli) veröffentlicht.

Therapien beeinträchtigen das normale Gewebe

Pankreaskarzinome gehören ja zu den aggressivsten Malignomen. Die Fünf-Jahres-Überlebensrate liegt unter Berücksichtigung aller Tumorstadien bei nur sechs Prozent, die Therapieoptionen sind sehr begrenzt: Nur ein kleiner Teil der Patienten spricht auf die aktuell angewandte Chemotherapie an.

Gleichzeitig hätten die eingesetzten Therapien den Nachteil, dass sie nicht nur auf Tumorzellen, sondern auch auf das normale Gewebe wirken und damit teils beträchtliche Nebenwirkungen verursachen, heißt es in der Mitteilung.

Die Forscher um Privatdozent Dr. Klaus-Peter Janssen an der Chirurgischen Klinik arbeiten seit längerem an der Entwicklung eines Vektors, eines Wirkstofftransporters, der sich gezielt in Krebszellen anreichert, nicht jedoch im Normalgewebe.

Dadurch soll die Chemo- oder Strahlentherapie ganz auf den Tumor konzentriert werden können, um eine effiziente Tumorbehandlung möglichst ohne Nebenwirkungen zu erreichen.

Protein stammt ursprünglich aus einem Darmbakterium

In Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern des Institut Curie in Paris setzte die Arbeitsgruppe auf einen Vektor, der diese Vorgaben auf natürlichem Weg erfüllt: das Shiga Toxin B. Das ursprünglich aus einem Darmbakterium stammende Protein ist ungiftig und verursacht für sich genommen keine nennenswerten physiologischen Störungen, teilt das Klinikum rechts der Isar der TU München mit.

Durch die Kopplung an radioaktive oder chemotherapeutische Substanzen lasse sich das Shiga Toxin B jedoch in ein effektives Werkzeug zur diagnostischen Tumordarstellung verwandeln und möglicherweise auch zur Therapie einsetzen.

In ihrer Studie überprüften die Forscher, ob Pankreaskarzinome den natürlichen Rezeptor für das Shiga Toxin B (Gb3 / CD77) ausprägen und sich somit potenziell für Diagnose und Therapie mit dem Protein eignen.

Die Wissenschaftler wiesen nach, dass der Rezeptor in Krebszellen deutlich stärker ausgeprägt ist als in gesundem Gewebe. Versuche mit Zellkulturen waren vielversprechend: Zelllinien von Pankreastumoren nahmen das Shiga Toxin B rasch und hochspezifisch auf.

Therapie auf Toxin-Basis wirkt gezielt auf Krebszellen

Die Forscher konnten nun ein Chemotherapeutikum (Topoisomerase-Inhibitor) direkt an das Shiga Toxin B koppeln. Diese Kombi wurde nur von Krebszellen aufgenommen, die den Rezeptor Gb3 enthalten und hatte eine vielfach stärker abtötende Wirkung auf Krebszellen als das unveränderte Medikament, heißt es in der Mitteilung.

Damit sei der Nachweis erbracht, dass eine Therapie auf Basis des Shiga Toxins B gezielt auf Krebszellen wirkt.

In weiteren präklinischen Studien müsse nun geprüft werden, ob diese Form der zielgerichteten Krebstherapie für einen zukünftigen klinischen Einsatz geeignet ist.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Resistente Keime bedrohen Fortschritte aus Jahrzehnten

Jeder vierte Todesfall durch Antibiotika-resistente Keime weltweit wird durch Tuberkulose (TB) bedingt. Um die Situation zu verbessern, reichen neue Arzneien aber nicht aus, betonen TB-Experten. mehr »

Regelmäßiges Frühstück ist offenbar gut fürs Herz

Wer regelmäßig frühstückt, beugt damit offenbar kardiovaskulären Erkrankungen vor, berichtet die American Heart Association (AHA). mehr »

Sperma-Check per Smartphone-App

Millionen von Paaren weltweit wollen ein Kind, doch es klappt nicht. Die Ursachen liegen in etwa der Hälfte der Fälle beim Mann. Ein einfacher Test könnte Männern künftig die Untersuchung ihres Spermas erleichtern. mehr »