Ärzte Zeitung online, 05.08.2011

Leberwerte bei alten Menschen oft erhöht

NOTTINGHAM (hub). Einmalig erhöhte Leberwerte sind für über 75-Jährige ohne Konsequenzen. Anders bei zweimal oder mehr erhöhten Leberwerten: Die Sterberate durch Krebs oder Lebererkrankungen ist dann deutlich erhöht.

Britische Forscher haben in einer bevölkerungsbasierten Studie Daten von fast 13.300 über 75-jährigen Patienten aus Hausarztpraxen untersucht. Der Beobachtungszeitraum betrug sieben Jahre (Aliment Pharmacol Ther 2011; 34: 324).

Ziel war es zu untersuchen, wie häufig erhöhte Leberwerte in dieser Altersgruppe auftreten und welche Folgen abnormale Werte haben. Berücksichtigt wurden Daten zur Aspartat-Transaminase (AST), alkalischer Phosphatase (ALP) und Bilirubin.

Bereits bekannt war, dass nicht nur Lebererkrankungen, sondern eine Reihe weiterer Erkrankungen die Leberwerte erhöhen. Hierzu zählen etwa Herz-, Nieren- und Muskelerkrankungen oder Störungen des Knochenstoffwechsels.

Über 2000 Patienten mit erhöhtem Leberwert

Bei knapp 2200 Patienten fand sich zumindest einmal ein erhöhter Leberwert - das ist einer von sechs Patienten (16 Prozent). Bei 3,3 Prozent war dabei die AST, bei 9,2 Prozent die ALP und bei 5,4 Prozent das Bilirubin erhöht. Insgesamt hatten nur 1,5 Prozent der Teilnehmer zweimal einen erhöhten Leberwert und weniger als 0,1 Prozent drei abnormale Tests.

Erhöhte AST-Werte betrafen eher jüngere Patienten und waren mit der Menge konsumierten Alkohols korreliert. Ältere Teilnehmer mit geringem Alkoholkonsum hatten eher erhöhte ALP-Werte.

Diabetes und Demenz waren mit erhöhten AST- und ALP-Werten, Herzattacken mit erhöhten ALP-Werten. Männer und Nichtraucher hingegen tendierten zu erhöhten Bilirubin-Werten.

Erhöhtes Risiko

Zwar starb nur ein Prozent derjenigen Patienten mit erhöhten ALP-Werten an einer Lebererkrankung, das Risiko dafür war aber sechsfach erhöht. Ebenfalls erhöht war das Risiko, durch andere Krankheiten zu sterben: Herzerkankungen (34 Prozent erhöht), Krebs (61 Prozent) und Atemwegserkrankungen (58 Prozent).

Und wer zweimal oder öfter erhöhte Leberwerte hatte, dessen Sterberisiko im Beobachtungszeitraum war 54 Prozent erhöht, das Krebstodrisiko sogar verdoppelt. Und die Wahrscheinlichkeit dieser Patienten, an einer Lebererkrankung zu sterben, war 17-mal höher als bei jenen mit normalen Leberwerten.

Die Autoren folgern: Erhöhte Leberwerte seien bei älteren Patienten häufig. Ein einmalig erhöhter Wert sei jedoch noch kein Anlass zur Intervention. Dies sei erst bei mehrfacher oder persistierender Erhöhung der Leberwerte nötig.

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