Ärzte Zeitung online, 05.08.2011

Dem Tumor den Saft abdrehen

TÜBINGEN (eb). Wenn ein Tumor wächst, kurbelt er die Bildung von neuen Blutgefäßen an, die ihn versorgen sollen. Ein Forscherteam um Dr. Harald Langer an der Universität Tübingen will diese Tatsache nutzen, um das Tumorwachstum zu hemmen.

Dem Tumor den Saft abdrehen

Mammakarzinom. Forscher suchen den molekularen Hebel, um Tumoren von ihrer Gefäßversorgung abzuschneiden.

© Arteria Photography

Durch gezielte Regulation der Gefäßneubildung soll dem Tumor sprichwörtlich der Saft abgedreht werden, teilt die Wilhelm Sander-Stiftung zum Forschungsvorhaben mit.

Den entscheidenden Hebel dazu wollen die Wissenschaftler mit dem Komplementsystem ansetzen - einem Teil der angeborenen Immunabwehr. Die Proteine dieser Signalkette unterstützen den Körper in erster Linie im Kampf gegen Infektionen.

Sie scheinen in diesem Zusammenhang aber auch Einfluss auf die Gefäßneubildung zu nehmen.

Erste Vorarbeiten brachten vielversprechende Resultate

"Wir halten es für sehr wahrscheinlich, dass die Hemmung des Gefäßwachstums und damit eine verminderte Versorgung des Tumors mit Nährstoffen und Sauerstoff dazu führt, dass der Tumor deutlich langsamer wächst. Erste Vorarbeiten unserer Arbeitsgruppe dazu haben bereits vielversprechende Ergebnisse gezeigt", wird Langer in der Mitteilung der Stiftung zitiert.

Gefördert von der Wilhelm Sander-Stiftung will die Arbeitsgruppe insbesondere die Rolle des Komplementsystems bei der Gefäßneubildung aufklären. Die Eiweiße dieser Signalkette lösen eine Reihe an Entzündungsreaktionen aus und locken so Immunzellen zu den Infektionsherden.

"Als erwiesen gilt, dass entzündliche Prozesse und die Neubildung von Gefäßen eng zusammenhängen. Berichte zum Einfluss des Komplementsystems haben bisher jedoch widersprüchliche Ergebnisse geliefert", erläutert Langer.

Im Fokus steht Komplementfaktor C3

Die Arbeitsgruppe will nun Klarheit schaffen. In den Fokus ihrer Arbeiten stellt sie den Komplementfaktor C3 - den zentralen Baustein des Komplementsystems. Die Forscher wollen insbesondere klären, welche zellulären und molekularen Mechanismen im Umfeld dieses Signalstoffs zur Gefäßneubildung führen.

Sollte es den Tübinger Forschern gelingen, den Schlüssel zu diesem molekularen Hebel zu finden, könnten sie darüber gezielt Einfluss auf das Tumorwachstum nehmen, heißt es in der Mitteilung der Stiftung.

Ein neuer Therapieansatz, mit dem man entarteten Zellen schlicht "den Saft abdreht", wäre gefunden.

Gefördert werden besonders Projekte zur Krebstherapie

Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Forschungsprojekt mit über 100 000 Euro. Stiftungszweck der Stiftung ist die medizinische Forschung, insbesondere Projekte im Rahmen der Krebsbekämpfung.

Seit Gründung der Stiftung wurden dabei insgesamt über 190 Millionen Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt.

www.wilhelm-sander-stiftung.de

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