Ärzte Zeitung, 13.09.2011

Tipps zur Nachsorge beim Pankreaskarzinom

Auch wenn es noch keine Empfehlungen dazu gibt, plädieren Heidelberger Pankreaskarzinom-Spezialisten für eine strukturierte Nachsorge. Das Pankreaskarzinom erfordert in allen Stadien eine effiziente supportive Therapie. "Einer muss immer den Hut aufhaben, der diese steuert", sagte Professor Dirk Jäger vom Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) in Heidelberg zur "Ärzte Zeitung".

Von Ingeborg Bördlein

Tipps zur Nachsorge beim Pankreaskarzinom

Sonografie-Bild eines erweiterten Ductus choledochus bei Pankreaskarzinom.

© Prof. Dr. med. H. S. Füeßl, München

HEIDELBERG. Die Nachsorge steuern könne ein Pankreaszentrum, ein niedergelassener Onkologe oder auch ein Hausarzt. Elementar sei die Überwachung der Ernährungssituation dieser Patienten. Das Ziel: Die Verdauung sollte sich wieder normalisieren.

Empfehlung für Patienten: häufig kleine Mahlzeiten

Bei Patienten mit einem Pankreaskopf-Karzinom zum Beispiel, bei denen eine Resektion vorgenommen wird, kommt es häufig zur Pankreasinsuffizienz. Der exokrine Funktionsverlust wird direkt postoperativ durch die Applikation von Bauchspeichel-Enzymen in Kapselform zu jeder Mahlzeit ausgeglichen.

Die Dosis sollte nicht zu niedrig gewählt werden, raten Experten vom Europäischen Pankreaszentrum in Heidelberg. Erst wenn eine gute Resorption der Nahrung gesichert sei, könne die Dosis heruntergefahren werden.

Die Patienten sollten angehalten werden, häufige kleine Mahlzeiten zu sich zu nehmen, um Krämpfen vorzubeugen. Wird der Magen erhalten, ist zusätzlich ein Protonenpumpenhemmer zur Säurehemmung einzusetzen, um die Wirksamkeit der Enzyme zu gewährleisten.

Aufnahme fettlöslicher Vitamine in Gefahr

Durch die gestörte Fettresorption ist oft auch die Aufnahme fettlöslicher Vitamine - die Vitamine A, D, E und K - unzureichend. Sind die Vitaminspiegel zu niedrig, sollten sie per Injektion verabreicht werden, um Mangelzustände zu vermeiden.

Bei endokrinem Funktionsverlust ist eine Diabeteseinstellung mit Insulinapplikation angezeigt. Bei der Pankreas-Linksresektion - der Standard-Op bei Pankreaskarzinomen links der Pfortader - gibt es kaum postoperative Verdauungsprobleme, da die Verdauungspassage in der Regel erhalten bleibt, die körpereigene Enzymregulierung noch funktioniert und auch seltener ein Diabetes mellitus vorliegt.

Problem Gewichtsverlust effizient entgegen wirken

Ein großes Problem besonders in fortgeschrittenen Stadien ist der Gewichtsverlust, der Studien zufolge die Lebenszeit der Patienten zusätzlich verkürzt. Außer einer supplementären oder parenteralen Ernährung zeigt ein zusätzliches sportliches Trainingsprogramm in diesen Fällen erstaunliche Wirkungen.

Am NCT in Heidelberg wird Krebspatienten nach sorgfältiger sportmedizinischer Anamnese deshalb ein strukturiertes Kraftsportprogramm angeboten. Jäger: "Wir erreichen damit auch bei den schwer kranken Patienten mit einem Pankreaskarzinom noch einen Zuwachs der Muskelkraft um 20 Prozent und eine deutlich bessere Lebensqualität."

Obwohl es bislang keine Empfehlung für eine strukturierte Nachsorge bei Patienten mit einem Pankreaskarzinom gibt, weil der Nachweis für ein verbessertes Überleben fehlt, rät Professor Jens Werner vom Europäischen Pankreaszentrum dennoch dazu : "Wir sehen die Patienten in unserer Sprechstunde alle drei Monate über zwei Jahre."

Sie werden dann per Ultraschall und/oder mit MRT und CT untersucht. Zusätzlich werden Tumormarker wie das CA19-9 zur Verlaufsbeobachtung bestimmt.

Das Ernährungsmanagement wird überwacht. Komme es zu Verdauungsproblemen und Gewichtsverlust, könne schnell reagiert werden, so Werner.

Isolierte Lokalrezidive treten bei jedem Fünften auf

Ein weiteres Plus der strukturierten Nachsorge: "Wir sehen Rezidive und Metastasen früher." Jeder fünfte Patient bekommt Werner zufolge ein isoliertes Lokalrezidiv. "Dieses behandeln wir wie einen neuen Tumor mit präoperativer Bestrahlung und anschließender Operation."

Ist das Lokalrezidiv gut zu resezieren, so haben diese Patienten dieselbe Chance auf Langzeitüberleben wie bei einer Primäroperation. Allerdings betreffe dies nur einen kleinen Teil der Patienten mit weniger aggressiver Tumorbiologie.

Bei Fortschreiten der Erkrankung steht eine effektive Schmerztherapie der Patienten im Vordergrund. Diese Behandlung kann medikamentös, strahlentherapeutisch und mit invasiven Verfahren, zum Beispiel mit einer Plexus-coeliacus-Blockade, erfolgen. Eine Chemotherapie kann die Wirkung der Schmerztherapie unterstützen.

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