Ärzte Zeitung online, 03.10.2011

Experte: Wahrscheinlich kein Nobelpreis für Immunforscher Steinman

STOCKHOLM (dpa). Die Zuerkennung des Medizin-Nobelpreises für den vor wenigen Tagen gestorbenen Forscher Ralph M. Steinman muss wahrscheinlich annulliert werden. Das sagte der frühere Nobelkomitee-Sekretär Anders Baranyi am Montag in Stockholm.

Zur Begründung sagte Baranyi zur dpa, dass die Regeln für die Nobelpreise die Vergabe an einen Toten ausschließen.

Die schwedischen Juroren hatten wenige Stunden nach der Zuerkennung bekanntgegeben, dass Steinman nicht mehr lebt. Eine Sprecherin des Karolinska-Instituts sagte am Montagnachmittag lediglich, man werde dazu "eine Stellungnahme veröffentlichen". Sie wollte auf weitere Fragen nicht antworten.

Der Jury-Sekretär Göran Hansson sagte im Rundfunksender SR: "Wir studieren die Statuten." Dort ist unter Paragraf 4 zu lesen (dpa-Übersetzung): "Die Arbeit einer Person, die bereits gestorben ist, soll nicht für eine Auszeichnung berücksichtigt werden. Wenn der Preisträger vor der Übergabe (am 10. Dezember) gestorben ist, darf der Preis übergeben werden (etwa an die Nachkommen)."

Todesnachricht kam nach Zuerkennung des Preises

Wenn sich das Nobelkomitee an diese Statuten hält, kann der am 30. September im Alter von 68 Jahren gestorbene Immunforscher Ralph Steinman kein Nobelpreisträger werden.

Das Komitee hatte Steinman am Montag als Träger des Medizin-Nobelpreises bekanntgegeben. Bei der Bekanntgabe wussten die Juroren nicht, dass der Forscher aus Kanada bereits am 30. September im Alter von 68 Jahren an Krebs gestorben war. Die Rockefeller-Universität in New York hatte dies nach der Zuerkennung auf ihrer Internet-Seite mitgeteilt.

Baranyi meinte, dass nach seinem Dafürhalten die bisher vorgesehene Dotierung des halben Nobelpreises für Steinman auf die beiden anderen Preisträger Bruce A. Beutler und Ralph M. Steinman aufgeteilt werden müsse.

Insgesamt ist der Preis mit umgerechnet 1,1 Millionen Euro (zehn Millionen Kronen) dotiert. Baranyi war 1989 bis 2004 Sekretär des Physik-Komitees und gilt als führender Kenner der Nobelpreis-Regeln und -Geschichte.

1961: letzte posthumane Preisvergabe

Er nannte den Fehler des Komitees "tragisch für die Hinterbliebenen von Steinman". Baranyi verwies auf die letzte posthume Nobelpreisvergabe: Der schwedische UN-Generalsekretär Dag Hammarskjöld war im September 1961 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen und bekam den Friedensnobelpreis wenige Wochen später zuerkannt.

Danach wurden die Statuten für alle Nobelpreise so verändert, dass dies nicht mehr möglich war.

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