Ärzte Zeitung online, 04.10.2011

Verhinderter Nobelpreisträger Steinman war "Visionär" und "großes Vorbild"

Er forschte an Immunzellen. Er bekam Krebs und verlängerte sein Leben mit einer Therapie, die auf seinen Arbeiten basierte. Doch kurz vor der Krönung seines Forscherlebens starb Ralph Steinman.

Von Gisela Ostwald

Verhinderter Nobelpreisträger Steinman war "Visionär" und "großes Vorbild"

Ralph Steinman

© dpa

NEW YORK. Nur drei Tage fehlten dem 68-jährigen Immunologen Ralph Steinman, um die höchste Ehre seiner langen Forscherkarriere zu erleben. Er starb am 3. Oktober an den Folgen einer Krebserkrankung.

Rund 72 Stunden später krönte Stockholm seine Arbeit mit der Zuerkennung des Nobelpreises. Sein Kollege und Nobelpreisträger Professor Günter Blobel sprach gegenüber der Nachrichtenagentur dpa von einer "tragischen Folge".

Blobel, der ebenso wie Steinman bisher der Rockefeller Universität in New York angehört, hatte die höchste Auszeichnung für Mediziner 1999 erhalten. Er beschrieb den gebürtigen Kanadier Steinman als "großartigen Forscher und wundervollen Menschen".

Großes Lob für Steinman von Kollegen

Großes Lob erntete Steinman auch von einem anderen deutschen Kollegen, Professor Thomas Boehm vom Max-Planck-Institut für Immunbiologie und Epigenetik in Freiburg.

"Herr Steinman hat Bahnbrechendes geleistet", sagte Boehm der dpa kurz vor Erhalt der Todesnachricht. Er rühmte Steinman als "intellektuelle Führungspersönlichkeit".

Blobel gehörte nach eigenen Worten nicht zum engsten Kreis um Steinman. "Aber wir sprachen bei Konferenzen und bei Begegnungen auf dem Flur. Ich bin seit den 1950er Jahren bei Rockefeller, Steinman kam in den 1960er Jahren.

Er habe den Kollegen, dessen Krankheit seit längerem bekannt war, noch vor einigen Wochen gesehen: "Er wirkte ganz in Ordnung".

"Die zweite Nachricht von Steinmans Tod hat mich sehr traurig gestimmt", sagte Blobel. Er beschrieb seinen Rockefeller-Kollegen als "besonders rücksichtsvoll und sanft. Er war ein einziges Vorbild. Ungeachtet seiner schweren Krankheit blieb er positiv und konstruktiv. Ich habe ihn nie bedrückt erlebt".

Steinman verlängerte sein Leben mit selbst entwickelter Immuntherapie

Eine Sprecherin der Rockefeller Universität bestätigte, dass bei Steinman vor etwa vier Jahren Bauchspeicheldrüsenkrebs diagnostiziert worden war. Mit einer selbst entwickelten Immuntherapie, die auf den von ihm entdeckten dendritischen Zellen basiert, "konnte er sein Leben um Jahre verlängern", sagte die Sprecherin.

Lesen Sie dazu auch:
Medizin-Nobelpreis für einen Toten - es bleibt dabei

Topics
Schlagworte
Krebs (10061)
Panorama (30367)
Krankheiten
Krebs (4954)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Antibiotika gegen Rückenschmerzen

Verursachen Bakterien heftige Bandscheiben-Beschwerden? Für Forschungen zur Behandlung von Rückenschmerzen mit Antibiotika wurde jetzt der Deutschen Schmerzpreis verliehen. mehr »

QuaMaDi wird fortgesetzt

Aufatmen im Norden: KV und Kassen haben sich auf den Fortbestand des Brustkrebsfrüherkennungsprogramm QuaMaDi geeinigt. mehr »

Ethikrat sucht nach dem goldenen Mittelweg

Wann ist eine medizinische Zwangsbehandlung fürsorglicher Schutz, wann ein unangemessener Eingriff? Diesen Fragen widmet sich aktuell der Deutsche Ethikrat. mehr »