Ärzte Zeitung online, 21.12.2011

Minderwertiger Silikon-Busen unter Krebsverdacht

Sie wollten sich nur ihre Brüste vergrößern lassen, doch jetzt droht den Frauen Krebs: Geplatzte Brustimplantate eines französischen Herstellers stehen in Verdacht, Tumoren zu verursachen. Acht Fälle sind in Frankreich bekannt, auch in Deutschland haben sich viele Frauen den minderwertigen Silikonbusen verpassen lassen.

Minderwertiger Silikon-Busen unter Krebsverdacht

Erst schöner, größer - jetzt ein Alptraum für Frauen mit minderwertigen Brustimplantaten.

© blickwinkel / imago

BONN/PARIS (dpa/eis). Geplatzte Brustimplantate des Typs Poly Implantat Prothèses (PIP) stehen im Verdacht, Krebs zu verursachen.

Das Gesundheitsministerium in Frankreich denkt deshalb darüber nach, allen 30.000 damit versorgten Frauen zur chirurgischen Entnahme zu raten. Auch in Deutschland sind 19 Fälle von gerissenen Silikonkissen dieses Typs bekannt.

Acht Fälle von Krebserkrankungen bei Frauen, deren minderwertigen Implantate gerissen waren und sich durch den Körper verbreiteten, haben in Frankreich den Stein ins Rollen gebracht.

Die tödliche Krebserkrankung einer 53-Jährigen Ende November, die entsprechende Implantate getragen hatte, wird zurzeit gerichtlich ermittelt. Mehr als 2000 Frauen haben seit März 2010 gegen die defekten Implantate vor Gericht geklagt. 523 dieser Silikon-Kissen seien bereits entnommen worden.

19 Fälle in Deutschland

Auch in Deutschland sind bereits 19 Fälle von gerissenen PIP-Implantaten bekannt geworden, berichtet die WAZ-Mediengruppe.

Ein Kausalzusammenhang zwischen den minderwertigen Implantaten und den Krebserkrankungen sei allerdings noch nicht belegt, wird Maik Pommer vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) in dem WAZ-Bericht zitiert.

Wie viele Frauen bei uns mit diesen Brustimplantaten versorgt worden sind, ist unbekannt. Das BfArM ist für die Risikoüberwachung der Produkte zuständig.

Angeblich werden Kosten für Implantat-Entnahme in Frankreich übernommen

In Frankreich wartet man noch auf eine Expertise des Nationalen Krebsinstituts, so eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums. Eine Empfehlung zum Umgang mit den Implantaten solle noch diese Woche verkündet werden. Die Betroffenen seien allerdings nicht akut gefährdet.

Die Zeitung "Libération" hatte berichtet, die Empfehlung zu einem erneuten chirurgischen Eingriff bei den 30.000 Frauen stehe schon fest. Nach Angaben des Blatts sollen die Kosten für die Implantat-Entnahme den Betroffenen zurückerstattet werden. Unklar ist jedoch, ob das die Aufwendungen für den Einsatz alternativer Silikon-Kissen einschließt.

Das im März 2010 aufgelöste französische Unternehmen Poly Implantat Prothèses (PIP) hatte wegen rückläufiger Umsätze ein minderwertiges Silikon verwendet, wodurch etwa eine Million Euro pro Jahr eingespart wurden. Die Verwendung der PIP-Kissen war im April 2010 verboten worden.

Implantat-Pass und Implantat-Register

In Deutschland können Frauen in ihrem Implantat-Pass nachschauen, ob sie damit versorgt worden sind. Welche Frau zu welcher Zeit welches Produkt implantiert bekommen hat, wird auch seit 1989 in einem Implantat-Register erfasst (AG für ästhetische, plastische und wiederherstellende Operationsverfahren in der Gynäkologie e.V.).

Das 1991 gegründete Unternehmen PIP hat etwa 100.000 Implantate, hauptsächlich ins Ausland, nach Spanien und Großbritannien geliefert. Die Silikon-Kissen sollen besonders preisgünstig gewesen sein. Aus dem Ausland sind noch keine Klagen eingereicht worden.

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