Kongress, 24.02.2012

Herausforderung hereditärer Brustkrebs

Die Urgroßmutter starb an Brustkrebs, die Großmutter an Eierstockkrebs, zwei Tanten, eine Cousine ... Soll ich mich der Frage nach familiärer Belastung stellen? - Was hilft den Frauen und den Ärzten bei der Entscheidungsfindung?

Herausforderung hereditärer Brustkrebs

Das Gespräch ist ein wesentlicher Pfeiler in der Betreuung von Frauen mit familiärem Brustkrebs.

© Mathias Ernert

"Prävention in der Senologie" - Wo stehen wir bei der Früherkennung in Deutschland? Mit dieser Frage setzte sich Professor Rita Schmutzler vom Universitätsklinikum in Köln auseinander.

Im Rahmen ihrer Arbeit im Deutschen Konsortium Familiärer Brust- und Eierstockkrebs wurden im intensivierten Früherkennungsprogramm mittlerweile 4000 Frauen beobachtet.

Dass intensivierte Früh erkennungsprogramme bei BRCA-1/2-Mutationsträgerinnen und anderen Frauen mit hohem Risiko zu einer Vorverlagerung der Diagnose in sehr viel frühere Erkrankungsstadien führen, ist durch viele Studien belegt.

Was aber nutzt die Früherkennung? Das sei nur eine der brennenden Fragen, die derzeit untersucht würden, so Schmutzler: "Ist es wirklich so, dass die frühere Diagnose zu einem besseren Überleben führt?"

Dies gilt für die Allgemeinbevölkerung, aber lassen sich die guten Ergebnisse des Mammografie-Screenings in der Allgemeinbevölkerung auf die genetischen Subgruppen mit hohem Risiko extrapolieren?

Eher nicht, betonte Schmutzler, denn die Tumoren in den genetischen Subgruppen zeigen eine ganz andere Tumorbiologie: Da sind einmal die BRCA-1-Tumoren, schnell wachsend, hoch aggressiv mit einer erhöhten Intervallkarzinom-Rate. Dagegen hat der Brustkrebs bei RAD51-positiven Patientinnen einen sehr viel günstigeren Verlauf.

Genügt bei den einen die intensivierte Früherkennung, sollten die anderen in jedem Fall prophylaktisch operiert werden? Welche Strategie ist bei welcher genetischen Subgruppe sinnvoll?

Und: Welches Untersuchungsverfahren sollte bei der Früherkennung eingesetzt werden?

Während international vor allem Mammografie und MRT genutzt werden, wird im Rahmen der deutschen Studie bei der intensivierten Früh erkennung zusätzliche eine Brust sonografie durchgeführt. Erste Auswertungen der Studiendaten deuteten darauf hin, dass die Sonografie gerade bei den schnell wachsenden BRCA-1-Tumoren von Relevanz ist, so Schmutzler.

Eine weitere Frage: Wer soll außer BRCA-1/2-Trägerinnen noch in die intensivierte Früherkennung? Alle Patientinnen, die ein mehr als 20 Prozent erhöhtes Brustkrebsrisiko haben, wie vom American Collage of Radiology gefordert, oder sollen wie in den Niederlanden alle Patientinnen mit einem 15-prozentigen Lebenszeitrisiko jährlich ein MRT bekommen?

Das seien immerhin 30 Prozent der Bevölkerung, erklärte Schmutzler. In Deutschland werden derzeit alle Frauen zum Hochrisiko-Kollektiv gezählt, die ein 30-prozentiges Lebenszeitrisiko haben, an Brustkrebs zu erkranken.

Bei der Definition der Hochrisiko-Gruppen sei aber auch zu bedenken, dass Früherkennung schaden kann: zum einen sind da die Nebenwirkungen von Stanzbiopsien oder gar offenen Biopsien, zum anderen ist es die psychische Belastung der betroffenen Frauen, die bei falsch positiven Ergebnissen nicht außer acht gelassen werden darf.

Nach den Erfahrungen mit über 22 000 Früherkennungsuntersuchungen bei über 4000 Frauen mit einer mittleren Beobachtungszeit von dreieinhalb Jahren stellt sich für Schmutzler auch die Frage, ob es nicht sogar sinnvoll ist, die intensivierte Früherkennung eher noch weiter einzuschränken.

Antworten auf die Vielzahl der Fragen bietet hoffentlich die Auswertung der gesammelten Daten, die voraussichtlich auf dem Senologie-Kongress vorgestellt werden.

Keinen Zweifel lässt Schmutzler aber bei dem Nutzen des BRCA-Netzwerkes. Die engagierte Arbeit dieser durch die Deutsche Krebshilfe unterstützte Selbsthilfegruppe habe sehr viele Anliegen der betroffenen Frauen offenbart, die zuvor eher nur am Rande berücksichtigt wurden.

Sehr anschaulich stellte Andrea Hahne, Vorstandsvorsitzende des BRCA-Netzwerkes, die Sorgen und Fragen Betroffener dar: Fragen wie "Alle sind gestorben - bin ich die Nächste? Sage ich es meiner Familie und wenn ja, wie? Was rate ich meinen Kindern? Wie entscheide ich mich? "

Das BCRA-Netzwerk sieht seine Aufgabe vor allem in der Beratung und als Pate in der Entscheidungsfindung sowohl der Betroffenen als auch des spezialisierten Zentrums, in der die Patientinnen beraten und behandelt werden sollten. (db)

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