Ärzte Zeitung, 20.03.2012

Erreger HPV ist bei Kopf-Hals-Krebs auf dem Vormarsch

BERLIN (gvg). Mit dem Rauchverhalten ändert sich auch die Epidemiologie der Kopf-Hals-Tumoren. Der Anteil der HPV-positiven Tumoren steigt. Das ist eine gute Nachricht. Denn die Therapieerfolge sind dann höher.

Die Verschiebung hin zu den HPV-positiven Kopf-Hals-Tumoren sei in den fast rauchfreien USA bereits deutlich weiter fortgeschritten als in Europa, betonte der HNO-Arzt Professor Ulrich Keilholz von der Charité Berlin. Mehr als 4 von 10 Kopf-Hals-Tumoren in den USA seien heute schon HPV-assoziiert.

In Europa ist es derzeit knapp ein Drittel, und alle fünf Jahre werden es fünf Prozent mehr. In aller Regel handelt es sich um HPV 16. "Das heißt: Durch eine HPV-Impfung wären fast alle diese Karzinome verhinderbar", so Keilholz beim OnkoUpdate 2012 in Berlin.

Auch therapeutisch sind HPV-assoziierte Kopf-Hals-Tumoren besser angehbar als solche, die mit Alkohol und Rauchen assoziiert sind. Keilholz berichtete von einer italienischen Untersuchung bei 120 Patienten mit Plattenepithelkarzinomen des Oropharynx. Nicht rauchende Patienten mit HPV-positiven Tumoren konnten in dieser Studie ausnahmslos kurativ behandelt werden.

Unterschiedliches Ansprechen auf die Therapien

Bei rauchenden Patienten mit HPV-positiven Tumoren war die Quote geringfügig schlechter. Rauchende Patienten mit HPV-negativen Tumoren dagegen hatten deutlich schlechtere Aussichten. Hier gelang eine kurative Therapie nur bei etwa 60 Prozent der Patienten.

"Offensichtlich dominiert HPV die Biologie der Kopf-Hals-Tumoren", so Keilholz. Grund für das unterschiedliche Ansprechen auf die Therapien dürften Unterschiede im Mutationsstatus sein.

Keine Antwort gibt der HPV-Status derzeit auf die Frage, ob ein Patient auf eine bestimmte Therapie anspricht oder nicht: "HPV ist ein prognostischer, kein prädiktiver Biomarker." Auf dem Feld der prädiktiven Biomarker konzentriert sich derzeit alles auf die EGF-Rezeptor-Blockade.

Möglicherweise können unterschiedliche Rezeptorvarianten oder EGFR-Liganden Hinweise darauf geben, ob eine EGFR-Therapie Sinn macht oder nicht.

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