Ärzte Zeitung, 09.04.2012

Krebsdiagnose lässt Suizidrisiko steigen

STOCKHOLM (eb). Die Eröffnung der Diagnose "Sie haben Krebs" ist für Patienten eine traumatische Erfahrung, die sie in den Suizid und Herz-Kreislauf-Tod treiben kann.

Epidemiologen aus Stockholm haben für eine Kohortenstudie zwischen 1991 und 2006 die Daten von rund 6 Millionen Schweden ausgewertet.

Auf die erste Woche nach der Diagnose bezogen war das Suizidrisiko 12-fach, aufs erste Jahr bezogen dreifach höher als bei Menschen ohne Tumoren.

Der Tod aus kardiovaskulärer Ursache wiederum war während der ersten Woche nach der Krebsdiagnose knapp sechsfach häufiger, auf die ersten vier Wochen berechnet mehr als dreifach.

Die Gefahren waren besonders ausgeprägt für Karzinomformen mit schlechter Prognose wie Lungenkrebs und Hirntumoren. Allerdings nahmen die erhöhten Werte im Verlauf des ersten Jahres nach der Diagnose schnell wieder ab (NEJM 2012; 366 (14): 1310-1318).

[10.04.2012, 08:48:56]
Dr. Ralf Hettich 
Bei Männern besteht bei Diagnose Prostatakrebs erhöhte Selbstmordgefahr
Generell erhöht sich bei Krebspatienten die Selbstmordrate. Wie sieht es bei Männern aus, die mit einem erhöhten PSA-Wert und der Möglichkeit von Prostatakrebs konfrontiert werden?
Besteht bei diesen Männern auch eine erhöhte Selbstmordgefahr?
Diesen Fragen ging eine Forschergruppe aus Schweden nach. In einer Studie werteten Forscher um die Schwedin Anna Bill-Axelson Daten aus der Prostate Cancer Base Sweden aus.
In dieser Datenbank befinden sich alle diagnostizierten Fälle von Prostatakrebs aus den Jahren 1997 bis 2006. Um die Daten mit einer altersgleichen Gruppe zu vergleichen, wurde das schwedische Register von Todesursachen herangezogen.
Wie sich herausstellte, zeigte die Selbstmordrate bei Männern mit Prostatakrebs eine deutliche Erhöhung. Von 77.439 Männern mit der Diagnose Prostatakrebs begingen 128 Männer Selbstmord. In der Vergleichsgruppe waren es nur 85 Todesfälle.
Interessanterweise war bei Männern, bei denen im Anschluss an die PSA-Untersuchung ein sogenannter T1c-Tumor diagnostiziert wurde, die Selbstmordrate nicht erhöht.
T1c bedeutet nach der Tumorklassifikation des Prostatakarzinoms (TNM-System) einen durch Nadelbiopsie identifizierten Tumor.
Im Gegensatz dazu war bei Männern, bei denen ein lokal fortgeschrittener, nicht metastasierter Tumor (T2 Tumor) diagnostiziert wurde, die Suizidrate erhöht. Ebenfalls erhöht waren die Selbstmordraten bei Männern mit einem metastasierten Tumor der T3 Klassifikation.
Allerdings konnte anhand der Studie nicht festgestellt werden, ob bei den Männern mit Prostatakrebs und erhöhten Selbstmordraten eine bestehende psychische Erkrankung vorlag.

Mit den besten Wünschen für Ihre Männergesundheit

Ihr Dr. Ralf Hettich
Mailkontakt: info@ralfhettich.de
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