Ärzte Zeitung, 07.12.2012

Leitartikel

Zweifel an Studien zur Beurteilung der Wirksamkeit

Der Parameter "progressionsfreies Überleben" wird in kontrollierten Studien in der Onkologie immer häufiger als primärer Endpunkt benutzt. Wie viel Fortschritt das für die Patienten bedeutet, ist allerdings nicht so recht klar - vor allem, ob damit auch ein Plus bei Gesamtüberleben und Lebensqualität verbunden ist.

Von Robert Bublak

Zweifel  an Studien zur Beurteilung der Wirksamkeit

Zur Medizin hat Robert McNamara zeitlebens nicht viel beigetragen. Das war auch nicht seine Aufgabe. Zwischen 1961 und 1968 war McNamara Verteidigungsminister der USA und beispielsweise mit dem Vietnamkrieg befasst.

Als wichtige Waffe in diesem Krieg sah er die Statistik, etwa den berüchtigten "Body Count". Mit der Zählung der Leichen gefallener Gegner wollte McNamara den Erfolg der US-Strategie quantifizieren.

Dass Ärzte dennoch von McNamara lernen können, haben die Onkologen Dr. Christopher Booth und Dr. Elizabeth Eisenhauer gezeigt: Die beiden Krebsmediziner vom National Cancer Institute of Canada haben die Rolle des Parameters "progressionsfreies Überleben" (progression-free survival, PFS) in randomisierten kontrollierten Studien zur Therapie fortgeschrittener Krebserkrankungen untersucht (J Clin Oncol 2012; 30: 1030).

Booth und Eisenhauer verweisen dabei auf einen statistischen Fallstrick. Hier kommt der frühere USMinister ins Spiel, denn dieser spezifische Irrtum trägt seinen Namen: "McNamara-Trugschluss". Er umfasst vier Schritte ...

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