Ärzte Zeitung, 10.01.2013

Japanischer Erfolg

Bauanleitung für die Krebs-Killer

Neue Hoffnung im Kampf gegen Krebs: Japanische Wissenschaftler haben es geschafft, langlebige Killerzellen gegen Tumoren herzustellen. Als Basis dienten T-Lymphozyten.

Von Peter Leiner

So schufen Forscher die neuen Killerzellen

Die Verjüngung von Zellen für eine künftige therapeutische Anwendung macht weiter große Fortschritte: Inzwischen lassen sich nach einer solchen Reprogrammierung Killerzellen herstellen, die ganz spezifisch gegen Melanomzellen gerichtet sind und sich in speziellen Nährflüssigkeiten vermehren lassen.

© Jens Goepfert / shutterstock.com

KYOTO. Durch die Entwicklung reprogrammierter Zellen erhoffen sich Stammzellforscher einen Ersatz für die ethisch umstrittene Anwendung humaner embryonaler Stammzellen in künftigen Zelltherapien.

Wie bereits kurz gemeldet, ist einer japanischen Forschergruppe um Dr. Hiroshi Kawamoto vom RIKEN Forschungsinstitut in Kyoto ein weiterer Erfolg gelungen.

Aus reprogrammierten krebsspezifischen zytotoxischen T-Zellen (T-Killerzellen) ließen sich Killerzellen herstellen, die ihre Krebsspezifität beibehalten haben und zudem länger als die Ausgangszellen leben.

Konventionell hergestellte spezifische Killerzellen überleben nach der Applikation nicht lange genug, um sie erfolgreich gegen Krebs einsetzen zu können, wie Kawamoto und seine Kollegen berichten (Cell Stem Cell 2013; 12: 33-38).

Gene von vier verschiedenen Faktoren eingeschleust

Für ihre Versuche verwendeten die Wissenschaftler reife zytotoxische T-Lymphozyten aus dem Nabelschnurblut und aus dem peripheren Blut. Diese Immunzellen erkannten das Antigen MART-1, das für das Melanom spezifisch ist.

Im ersten Schritt verjüngten die Forscher die T-Zellen, indem sie - wie der Erfinder dieser Methode, Nobelpreisträger Shinya Yamanaka aus Kyoto, in seinen ersten Versuchen - mithilfe eines Virus die Gene von vier verschiedenen Faktoren einschleusten.

Dadurch verjüngten sich die T-Zellen zu induzierten pluripotenten Stammzellen (iPS), die die Fähigkeit haben, sich ähnlich wie embryonale Stammzellen in jede der mehr als 200 Zellarten zu verwandeln.

Die Forscher wählten die Laborbedingungen im zweiten Schritt so, dass sich die iPS wieder in die melanomspezifischen T-Killerzellen verwandelten.

Diese T-Zellen waren nicht nur krebsspezifisch, sondern in der Lage, nach Antigenstimulation das Zytokin Interferon gamma auszuschütten, was durch Interleukin-2 verstärkt wurde.

Ähnlicher Erfolg bei HIV

Kawamoto und seine Kollegen gehen davon aus, dass diese Zellen nach einer Infusion im Körper länger überleben als konventionell im Labor hergestellte T-Killerzellen.

Kawamoto betont: "Jetzt muss geprüft werden, ob die reprogrammierten Zellen im Labor spezifische Krebszellen tatsächlich abtöten können." Einen ähnlichen Erfolg haben andere japanische Wissenschaftler mit T-Zellen erzielt, die spezifisch HIV erkennen können (Cell Stem Cell 12; 116-128).

Bei den so gezüchteten Abwehrzellen entdeckten die Forscher verlängerte Telomere, der Hinweis auf die Verjüngung der Zellen. Die Wissenschaftler glauben, dass sich die Methode auch mit Zellen spezifisch gegen andere Infektionserreger anwenden lässt.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Geduld und Schweiß

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Resistente Keime bedrohen Fortschritte aus Jahrzehnten

Jeder vierte Todesfall durch Antibiotika-resistente Keime weltweit wird durch Tuberkulose (TB) bedingt. Um die Situation zu verbessern, reichen neue Arzneien aber nicht aus, betonen TB-Experten. mehr »

Regelmäßiges Frühstück ist offenbar gut fürs Herz

Wer regelmäßig frühstückt, beugt damit offenbar kardiovaskulären Erkrankungen vor, berichtet die American Heart Association (AHA). mehr »

Sperma-Check per Smartphone-App

Millionen von Paaren weltweit wollen ein Kind, doch es klappt nicht. Die Ursachen liegen in etwa der Hälfte der Fälle beim Mann. Ein einfacher Test könnte Männern künftig die Untersuchung ihres Spermas erleichtern. mehr »