Ärzte Zeitung, 21.03.2013

Rektumkarzinom

Vorteile für die laparoskopische Operation

Die minimalinvasive Op bei einem Rektumkarzinom hat viele Vorteile: Das zeigt eine Studie mit Chirurgen aus acht europäischen Ländern.

Von Thomas Müller

AMSTERDAM. Minimalinvasive Eingriffe werden auch bei der Tumorresektion im Darm immer beliebter. Nach Schätzungen erfolgen bereits drei von vier Proktektomien laparoskopisch.

Ein Team von europäischen Chirurgen aus acht Ländern hat nun in der bislang wohl größten randomisierten multizentrischen Studie geprüft, ob laparoskopische Eingriffe bei Rektumkarzinomen tatsächlich vergleichbar gute Ergebnisse liefern wie offene Operationen.

Dazu haben sie in der Phase-3-Studie COLOR II insgesamt 739 Patienten mit Rektumkarzinom minimalinvasiv operiert, 364 wurden einer klassischen offenen Operation unterzogen.

Sekundäre Endpunkte ausgewertet

Geeignet waren Patienten, bei denen keine Hinweise auf Fernmetastasen vorlagen und bei denen sich der Tumor nicht weiter als 15 cm vom Anus entfernt befand (Lancet Oncol 2013; 14: 210-218).

Die Chirurgen sollten den Tumor samt mesorektalem Gewebe entfernen und zugleich die hypogastrischen Nerven schonen. Primärer Endpunkt war die Rezidivrate nach drei Jahren - diese Daten liegen allerdings noch nicht vor.

Aber immerhin konnten die Studienautoren um Dr. Martijn van der Pas vom Universitätsklinikum in Amsterdam schon einmal die Daten zu einigen sekundären Endpunkten auswerten.

Einer davon war die Rate makroskopisch kompletter Resektionen: Sie war mit 88 Prozent in der laparoskopischen Gruppe nicht signifikant schlechter als in der Gruppe mit offener Op (92 Prozent).

Keine Unterschiede gab es zudem bei der Rate mikroskopisch erfolgreichen Resektionen. Eine solche lag vor, wenn in den äußeren zwei Millimetern des herausgeschnittenen Gewebes keine Tumorzellen mehr aufzuspüren waren. Dies war in beiden Gruppen bei 90 Prozent der Patienten der Fall.

Blutverlust relativ gering

Wie zu erwarten, gab es bei der minimalinvasiven Op einen geringeren Blutverlust (im Median 200 vs 400 Milliliter), die Darmfunktion kam schneller wieder in Gang (zwei vs drei Tage) und die Patienten konnten schneller nach Hause (nach acht vs neun Tagen).

Die Sterberate war nach 28 Tagen in der Gruppe mit minimalinvasiver Op niedriger (ein vs zwei Prozent), der Unterschied war aber nicht signifikant. Bei der Rate postoperativer Komplikationen gab es ebenfalls keine signifikanten Differenzen (40 vs 37 Prozent).

Einziger Nachteil der laparoskopischen Op: Sie dauerte deutlich länger (vier vs drei Stunden). Die Studienautoren sehen daher keine Unterlegenheit der laparoskopischen im Vergleich zur offenen Op, was Sicherheit und Resektionsergebnis betrifft. Jedoch scheinen sich die Patienten nach dem minimalinvasiven Eingriff deutlich schneller zu erholen.

Mit dieser Studie konnte klar gezeigt werden, dass die Tumorresektion unter Alltagsbedingungen in Kliniken laparoskopisch ebenso gründlich erfolgt wie bei der offenen Operation, schrieb die US-Chirurgin Dr. Heidi Nelson aus Rochester in einem Kommentar zur Studie (Lancet Oncol 2013; 14: 179-180).

Dies war in der Vergangenheit immer wieder bezweifelt worden. Auf der anderen Seite gab es bei der Komplikationsrate keine Vorteile für die minimalinvasive Methode, wie sie Registerdaten nahegelegt hatten.

Es sei daher wichtig, so Nelson, neue Verfahren auch in der Chirurgie in randomisiert kontrollierten Studien zu prüfen. Nun müsse noch geschaut werden, ob die Langzeitergebnisse der Studie ähnlich gut ausfallen. Sie sollen Ende 2013 veröffentlicht werden.

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