Ärzte Zeitung, 16.05.2013

Reha und Supportivtherapie

Neue Leitlinien sollen helfen

Querschnittsthemen wie Supportivtherapie sowie die Rehabilitation von Krebspatienten sind in vielen Organleitlinien unterrepräsentiert. Separate Leitlinien sollen übergreifende Themen verbindlich regeln.

Von Doris Berger

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Reha: Sie soll auch bei Krebskranken die Teilnahme am sozialen und beruflichen Leben verbessern.

© Robert Kneschke/fotolia.com

BERLIN. "Ohne adäquate Supportivtherapie keine kurative Behandlung und ohne Rehabilitation keine uneingeschränkte Rückkehr in das normale Leben nach einer Krebserkrankung".

Darüber ist sich der Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Supportivtherapie, Rehabilitation und Sozialmedizin (ASORS) der Deutschen Krebsgesellschaft einig.

Nicht zuletzt aus diesem Grund war das Thema Leitlinien auf der diesjährigen ASORS-Jahrestagung ein Schwerpunkt. Aber auch im Rahmen des Nationalen Krebsplans fordert das Handlungsfeld 2 die Weiterentwicklung der onkologischen Versorgungsstrukturen und der Qualitätssicherung sowie S3-Leitlinien.

Neben den organspezifischen Leitlinien sind es die Querschnittsleitlinien, wie beispielsweise die kurz vor dem Abschluss stehende S3-Leitlinie "Psychoonkologische Diagnostik, Beratung und Behandlung von Krebspatienten", die übergreifende Themen verbindlich regeln sollen.

Die Rationale für Querschnittsleitlinien sieht Dr. Karin Jordan von der Universitätsmedizin in Halle in der Eindeutigkeit. In vielen Organleitlinien seien Querschnittsthemen wie die Supportivtherapie unterrepräsentiert, und nicht selten seien die Empfehlungen unterschiedlich.

In Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) und der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO) hat sich die ASORS die Aufgabe gestellt, eine S3-Leilinie Supportivtherapie zu entwickeln, wobei organspezifische Themen aber in den organspezifischen Leitlinien verbleiben sollen.

Themenbereiche der S3-Leitlinie Supportivtherapie sind: Tumortherapie-induzierte Anämie, Antiemese, Granulopoetische Wachstumsfaktoren, Hauttoxizitäten, Schleimhauttoxizitäten, Tumortherapie-induzierte Diarrhoe, Periphere Neutrotoxizität, ossäre Komplikationen, supportive Maßnahmen in der Radioonkologie sowie Paravasate.

Aspekte der Sozialmedizin sollen einfließen

Nach Jordans Einschätzung wird es allerdings noch wenigstens zwei Jahre dauern, bis die Leitlinie verbindlich verabschiedet werden kann. Über den Fortschritt könne man sich im Internet unter www.S3supportiv.de informieren, so Jordan.

Auch die Rehabilitation sei in Organleitlinien oft unterrepräsentiert, erklärte Professor Hans Helge Bartsch von der Klinik für Tumorbiologie in Freiburg und Vorsitzender der ASORS.

Dies werde aber der Realität dieses Versorgungssektors nicht gerecht, so Bartsch. Immerhin bedürften über 160.000 Tumorpatienten jährlich einer Rehabilitation, um wieder in den Alltag, in das Berufsleben zurückkehren zu können.

Da die Strukturen der Rehabilitationsmedizin in Deutschland aber kaum mit denen anderer Länder vergleichbar seien, sei es auch nicht möglich, deren Leitlinien zu adaptieren.

Die organübergreifende, interdisziplinäre Leitlinie zur Rehabilitation von Patienten mit malignen Erkrankungen soll unter anderem Aspekte der Sozialmedizin, insbesondere der sozialmedizinischen Leistungsbeurteilung indikationsübergreifend und organbezogen berücksichtigen.

In den Organleitlinien müsste dann nur noch die spezielle kohortenspezifische Rehabilitation beschrieben werden.

Außerdem sollen Leistungsträger und Leistungserbringer sowie die betroffenen Patienten durch die Leitlinie bei (sozial)-medizinischen Entscheidungen durch formal konsentierte Empfehlungen unterstützt werden.

Und die Teilhabe onkologischer Patienten am sozialen und beruflichen Leben soll verbessert werden. Die Leitlinie zur Rehabilitation soll auch dazu beitragen, die interdisziplinäre und qualitätsgesicherte Versorgung onkologischer Patienten zur Behandlung von Fähigkeits- und Funktionsstörungen flächendeckend umzusetzen.

Und sie soll helfen, die sektorenübergreifende Versorgungsqualität zu verbessern, u.a. durch Berücksichtigung der Empfehlungen der Leitlinie und daraus abgeleiteter Qualitätsindikatoren. Derzeit werde daher der Hauptantrag für die interdisziplinäre Querschnittsleitlinie Rehabilitation unter Federführung der ASORS erarbeitet.

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