Ärzte Zeitung App, 03.12.2013

Hohes Risiko

Krebsüberlebende sind sehr anfällig für Herzinfarkt

Wer in der Kindheit oder Jugend eine Krebstherapie durchgemacht hat und als Erwachsener klassische kardiale Risikofaktoren aufweist, bei dem addieren sich die Herzrisiken nicht - sie potenzieren sich.

Von Robert Bublak

Krebsüberlebende sind sehr infarktanfällig

Blutdruck-Kontrolle: Hoher Blutdruck versechsfacht bei Langzeitüberlebenden von Krebs das KHK-Risiko.

© Peter Atkins / fotolia.com

MEMPHIS. Wie beeinflussen sich Spätkomplikationen einer Krebstherapie im Kindes- und Jugendlichenalter und Risikofaktoren für Herzerkrankungen gegenseitig?

Das haben Forscher um Gregory Armstrong vom St. Jude Children's Research Hospital in Memphis untersucht (J Clin Oncol 2013; online 3. September). Analysiert wurden Daten von über 10.000 Teilnehmern der Childhood Cancer Survivor Study (CCSS).

Vergleich: Krebsüberlebende und Geschwister ohne Krebs

Bei den Probanden war vor dem 21. Geburtstag Krebs diagnostiziert worden (Leukämie, ZNS-Malignom, Hodgkin- oder Non-Hodgkin-Lymphom, Wilms-Tumor, Neuroblastom, Weichteilsarkom oder Knochenkrebs).

Sie waren zwischen 1970 und 1986 behandelt und vom Krebs geheilt worden. Seit 1994 wurden sie regelmäßig über ihren Gesundheitszustand befragt. Mehr als 4000 Geschwister der Probanden dienten als Vergleichsgruppe.

Von den 45-jährigen Krebsüberlebenden hatten 5,3 Prozent eine koronare Herzkrankheit und 4,8 Prozent eine Herzinsuffizienz (kumulative Inzidenz). Von Krankheiten der Herzklappen waren 1,5 Prozent und von Arrhythmien 1,3 Prozent betroffen.

Die Assoziationen mit kardiotoxischen Krebsbehandlungen, besonders Strahlentherapie und Chemotherapie mit Anthrazyklinen, waren statistisch hochsignifikant (p ‹ 0,001).

Die Geschwister der ehemaligen Krebspatienten wiesen im gleichen Alter nur selten eine KHK auf (0,3 Prozent). Auch bei den weiteren kardialen Störungen bewegten sich die Inzidenzen nur zwischen 0,1 und 0,4 Prozent.

Hohe Raten von Hypertonie und Dyslipidämie

Ein Vergleich des Risikoprofils zeigte, dass 10,3 Prozent der Krebsüberlebenden, aber nur 7,9 Prozent ihrer Geschwister zwei oder mehr klassische kardiovaskuläre Risikofaktoren hatten.

Im Alter von 50 Jahren waren 40,2 Prozent der Krebsüberlebenden hyperton. Von den Geschwistern hatte nur 25,5 Prozent einen zu hohen Blutdruck. Bei Dyslipidämie erreichten die Anteile 23,0 vs. 13,6 Prozent. Adipositas war hingegen im Vergleich bei den Geschwistern ohne Krebs verbreiteter (31,3 vs. 25,2 Prozent).

Als Risikofaktor mit den meisten negativen Folgen für die CCSS-Patienten erwies sich die Hypertonie. Kombinationen von Risikofaktoren, an denen Bluthochdruck beteiligt war, gingen mit den höchsten Raten von Herzkrankheiten einher.

Kam zu einer Strahlentherapie in der Kindheit die Kombination von Hypertonie und Diabetes hinzu, erhöhte sich das relative Risiko für KHK im Mittel um das 23,5-Fache (Hypertonie allein: 6,1-fach; Diabetes allein: 2,7-fach). Bei Herzinsuffizienz schnellte das Risiko auf das 35,3-Fache (Hypertonie: 19,4-fach; Diabetes: 5,7-fach).

Ärzte, die Krebsüberlebende betreuen, sollten sich dieser Risikokonstellationen bewusst sein, schreiben Armstrong und seine Mitautoren.

Wer in der Kindheit eine kardiotoxische Tumortherapie hinter sich gebracht habe, dessen Blutdruck, Lipidprofil, Glukosespiegel und Body-Mass-Index müssten kontinuierlich überwacht werden.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Was neue Onkologika den Patienten tatsächlich bringen

Ist das Glas halb voll oder halb leer? Neue Onkologika haben die Überlebenszeit von Krebspatienten in den vergangenen zwölf Jahren im Schnitt um 3,4 Monate verlängert. Dieser Vorteil geht oft zulasten der Sicherheit. mehr »

Kassen und KBVdrücken aufs Tempo

Bisher trat die Selbstverwaltung bei der Digitalisierung eher als Bremser auf. Bei den Formularen geben KBV und Kassen jetzt Gas: Im Juli kommt der digitale Laborauftrag. mehr »

"Weiterbildung auch mit Kind zügig möglich - im Verbund!"

Eine strukturierte Weiterbildung, die auch mit Elternzeit nur sechs Jahre dauert? Das ist möglich, sagt Dr. Sandra Tschürtz. Die angehende Allgemeinmedizinerin steht vor ihrer Facharztprüfung – und blickt für die "Ärzte Zeitung" auf ihre Zeit in einem Weiterbildungsverbund zurück. mehr »