Ärzte Zeitung, 05.03.2015

DKFZ

Große Sequenziereinheit für DNA von Krebszellen

HEIDELBERG. Erbgutanalysen von Krebszellen treiben die Krebsforschung voran. Am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) wird dafür mit Unterstützung durch das Deutsche Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK) ein Gerätepark aus zehn Sequenziergeräten der neuesten HiSeq X-Ten-Generation aufgebaut, teilt das DKFZ mit.

Mit den Geräten des Unternehmens Illumina ließen sich in kürzester Zeit alle zu Krebs führenden genetischen Veränderungen identifizieren.

Mit dieser Forschungsplattform unter Leitung von Professor Stefan Wiemann und Dr. Stephan Wolf rücke das DKFZ zusammen mit dem DKTK weltweit zu den größten Einrichtungen für Genomforschung auf, heißt es in der Mitteilung.

Als im Herbst 1990 das Humangenomprojekt angestoßen wurde, dauerte die Erbgutanalyse für einen einzelnen Menschen noch rund 13 Jahre und kostete viele hundert Millionen Euro.

Dank der rasch fortschreitenden technologischen Entwicklung kann das komplette Erbgut heute bereits in wenigen Stunden abgelesen werden, zu einem Preis von weniger als Tausend Euro pro Genom.

Speziell für Krebspatienten ist das von großer Bedeutung, denn bei Krebs häufen sich Fehler im Erbgut an, die dazu führen, dass gesunde Zellen entarten und unkontrolliert wachsen.

Werden diese Fehler im Erbgut mittels DNA-Sequenzierung bestimmt, kann das zu einem besseren Verständnis der frühen Tumorentstehung führen und den Weg zu einer individualisierteren Behandlung weisen.

Bereits heute werden Tumoren im Rahmen der Forschung am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) in Heidelberg und an den sieben DKTK-Partnerstandorten mittels Erbgutanalyse untersucht.

"Mit den neu eingerichteten Sequenzieranlagen können wir im DKFZ das Erbgut der Krebszellen von weiteren 3500 Patienten jährlich komplett sequenzieren", erklärt Professor Otmar D. Wiestler, Vorstandsvorsitzender des DKFZ und Sprecher des DKTK.

"Das wird uns sowohl wertvolle Erkenntnisse für die Forschung liefern als auch neue Wege für die personalisierte Medizin ermöglichen." Die Sequenziergeräte stehen nicht nur den Wissenschaftlern des DKFZ zur Verfügung. Auch Forscher des DKTK können sie nutzen.

"Für uns am DKTK-Partnerstandort München eröffnen sich dadurch völlig neue Möglichkeiten in der personalisierten Onkologie.

Manche Studien und Forschungsvorhaben werden erst durch die großen Sequenziergeräte möglich", ist auch Professor Wolfgang Hiddemann, Sprecher des DKTK-Partnerstandortes München, überzeugt.

Die Hoffnung, dass die Analyse des Erbguts von Krebszellen auch neue Behandlungsmöglichkeiten für die betroffenen Patienten schafft, ist nicht unbegründet: Schon heute sind mehr als 35 Medikamente für Krebspatienten zugelassen, die sich zielgerichtet gegen veränderte Bestandteile in Krebszellen richten.

Sie können dazu beitragen, sowohl die Lebensqualität als auch die Heilungschancen vieler Krebspatienten zu verbessern.Im DKTK verbindet sich das DKFZ in Heidelberg als Kernzentrum langfristig mit onkologisch besonders ausgewiesenen Universitätskliniken in Deutschland.

Am Kernzentrum DKFZ und den sieben Partnerstandorten Berlin, Dresden, Essen/Düsseldorf, Frankfurt/Mainz, Freiburg, München und Tübingen arbeiten insgesamt zwanzig Einrichtungen zusammen.

Aufgabe des DKTK ist es weiterhin, junge Mediziner und Naturwissenschaftler in der Krebsmedizin und der translationalen Krebsforschung auszubilden.

Das DKTK ist eine gemeinsame Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, der beteiligten Bundesländer, der Deutschen Krebshilfe und des DKFZ. Es zählt zu den sechs Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung (DZG). (eb)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Langes Arbeiten kann tödlich sein

Eine lange Wochenarbeitszeit erhöht das Risiko für Herzerkrankungen und Krebs. Forscher konnten die Stundenzahl sogar exakt angeben, ab der sich das Risiko stark erhöht. mehr »

Ausschuss reißt Frist des Gesetzgebers

Das neue Qualitätsmaß für Pflegeheime gerät in Verzug. Eine Studie bietet eine Alternative an. mehr »

Jeder dritte Demenz-Fall vermeidbar

Finge die Demenz-Prävention bereits in der Kindheit an, könne die Krankheit bei einem Drittel aller Erwachsenen verhindert werden – so eine Studie. mehr »