Ärzte Zeitung, 01.04.2015

Schilddrüsen-Ca

Risikofaktor Klima?

Wer in kalten Regionen wohnt, hat ein erhöhtes Risiko für Schilddrüsenkrebs. Das legt eine epidemiologische Studie aus den USA nahe.

NEW YORK. Die Inzidenz von Schilddrüsenkrebs hat in den USA zwischen 1988 und 2005 deutlich zugenommen. Die Exposition zu ionisierenden Strahlen ist dabei der am besten etablierte Umweltfaktor.

Auch die nicht ionisierende Strahlung von Mobiltelefonen wurde mit der steigenden Rate an Schilddrüsenkrebs in Zusammenhang gebracht. Zudem gibt es für die Gesamt-Krebsrate eine positive Korrelation zum Breitengrad, auf dem Betroffene leben und eine inverse Korrelation zur Außentemperatur. Die Ursache dafür ist unklar.

Wie die Temperatur mit der Inzidenz von Schilddrüsenkrebs zusammenhängt, haben US-Forscher untersucht (Clin Thyroidol 2014; 26: 273-276). Dazu haben Dr. Steven Lehrer und sein Kollege Dr. Kenneth Rosenzweig vom Mount Sinai Krankenhaus in New York mehrere Datenbanken herangezogen.

Darunter sind Krebsregister, aber auch Datenbanken zu Klima, Temperatur oder Nutzung von Mobiltelefonen. Die Analyse erfolgte für sämtliche Formen von Schilddrüsenkrebs bei weißen US-Amerikanern. Die Daten für Schwarze und Latinos waren unvollständig.

Umgebungstemperatur könnte Schilddrüsenaktivität beeinflussen

Die Ergebnisse: Es gab einen leichten, aber signifikanten Zusammenhang zwischen der Inzidenz von Schilddrüsenkrebs und der Handynutzung.

Unabhängig davon fanden die Forscher eine negative Korrelation zwischen der Temperatur und der Rate an Schilddrüsenkrebs: In einem kalten Bundesstaat wie etwa Alaska zu leben, verdoppelt demnach das Risiko für Schilddrüsenkrebs - verglichen mit einem warmen Bundesstaat wie Texas.

Die Ergebnisse suggerierten, dass warmes Klima einen protektiven Effekt auf die Entwicklung von Schilddrüsenkrebs habe, schreiben die Forscher und geben auch gleich mögliche Erklärungen dazu. Eine lautet: In warmen Gegenden würden die Menschen stärker schwitzen und daher auch mehr trinken.

Die Theorie sei, dass im Trinkwasser eine krebsprotektive Komponente enthalten ist. Allerdings habe bisher niemand solche antikarzinogenen Eigenschaften von Wasser nachgewiesen.

Die zweite, plausiblere These lautet, dass die Umgebungstemperatur die Schilddrüsenaktivität beeinflusst. Diese sei unter kalten Umweltbedingungen hochreguliert. (hub)

Auch 2015 gibt es wieder eine Schilddrüsenwoche. Sie findet vom 20. bis 24. April statt. Mehr Infos unter: www.infoline-schilddruese.de

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