Ärzte Zeitung, 06.10.2015

HPV im Oropharynx-Krebs

Welche Folgen?

Plattenepithelkarzinome des Oropharynx, die positiv auf HPV sind, verlaufen günstiger als HPV-negative Tumoren.

LOS ANGELES.Die Häufigkeit HPV-positiver Plattenepithelkarzinome im Kopf-Hals-Bereich hat stetig zugenommen. Laut Angaben in der einschlägigen Literatur ist die Prävalenz von 16 Prozent in den frühen 80er-Jahren auf inzwischen 60 Prozent gestiegen.

Möglicherweise ist das in einem veränderten Sexualverhalten begründet, etwa in mehr Oralsex, einer aufs Leben gerechnet größeren Zahl von Sexpartnern und einem früheren Beginn der sexuellen Aktivitäten.Geändert haben sich auch die Charakteristika der Patienten.

Waren die klassischen Patienten mit Kopf-Hals-Karzinomen einst eher ältere Männer mit heftigem Tabak- und Alkoholkonsum aus unteren sozialen Schichten, sind die Betroffenen heute tendenziell jünger, Nichtraucher und mit höherer Bildung und größerem Einkommen ausgestattet.

HNO-Spezialisten um Marilene Wang von der University of California in Los Angeles haben untersucht, wie sich HPV-positive und -negative Karzinome des Oropharynx prognostisch bzw. hinsichtlich des Einflusses verschiedener Therapieoptionen verhalten.

Dazu analysierten sie 56 Studien, in denen über HPV-Status, Therapieregime und Überlebensraten berichtet worden war.

Günstiger Verlauf bei Patienten mit HPV-positivem Tumor

Was die Prognose betraf, konnten die Forscher bestätigen, was sich schon in diversen früheren Studien angedeutet hatte: Patienten mit HPV-positiven Tumoren dürfen mit einem günstigeren Verlauf rechnen als Patienten mit HPV-negativen Karzinomen (Otolaryngol Head Neck Surg 2015, online 29. Juni).

Unabhängig davon, ob die HPV-positiven Patienten operiert oder bestrahlt worden waren, hatten sie eine geringere Sterblichkeit.

Für HPV-negative Tumoren war eine primäre Strahlentherapie die schlechtere Wahl im Vergleich zur primären Op: Das Risiko für Komplikationen wie Rezidiv, Progression oder Tod war bei den primär Bestrahlten höher.

Zwar zeigte sich das primär chirurgische Vorgehen bei HPV-positiven Tumoren in allen untersuchten Kovariablen (z. B. Primärtumor der Tonsille, der Zungenbasis, anderer Bereiche, Stadium 3-4, Raucherstatus mit Hazard Ratios > 1 zulasten der Radiatio) mit Ausnahme von T3-4-Tumoren überlegen.

Statistisch signifikant waren diese Resultate aber nicht. "Das ist aber nicht unbedingt ein negatives Ergebnis", meinen Wang und Kollegen.

Ein kombinierter p-Wert, in den sämtliche Kovariablen einfließen, könnte ihrer Ansicht nach dennoch signifikant und damit zugunsten der primären Chirurgie ausfallen.

Dass T3-4-Geschwülste unter Bestrahlung womöglich besser abschneiden, spiegelt vielleicht den Umstand wieder, dass sogar fortgeschrittene HPV-positive Tumoren gut auf die Strahlentherapie ansprechen. (rb)

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