Ärzte Zeitung, 16.02.2016

Transplantation

Allogene Stammzellen bleiben Option bei Tumoren

Allogene Stammzelltransplantationen werden in Europa noch immer gemacht, auch bei Patienten mit soliden Tumoren.

BUSTO ARSIZIO. Die Rationale der Stammzelltransplantation beruht auf der Beobachtung eines Transplantat-versus-Tumor-Effektes (graft versus tumor, GVT), die Dr. Richard Childs und seine Kollegen von den National Institutes of Health in Bethesda in USA im Jahr 2000 bei Patienten mit einem metastasierten Nierenzellkarzinom gemacht haben (N Engl J Med 2000; 343: 750-758).

Dr. Marco Bregni vom Ospedale di Circolo in Busto Arsizio in Italien und seine Kollegen haben festgestellt, dass seit der Einführung der gezielten Therapie etwa mit Sorafenib und Sunitinib bei Patienten mit Nierenkrebs die Transplantationsrate drastisch gesunken ist.

Um die Entwicklung seit 2009 bis 2014 zu analysieren, werteten die Onkologen Daten des EBMT-Registers (European Society for Blood and Marrow Transplantation) aus und baten die Zentren um Teilnahme an einer Befragung (Bone Marrow Transpl 2016; online 25. Januar).

Nach Angaben von Bregni und seinen Kollegen übermitteln europaweit insgesamt 640 Transplantationszentren regelmäßig Daten an das Register. In 38 Zentren in acht EU-Ländern erhielten in dem Zeitraum 63 Patienten mit soliden Tumoren allogene Stammzelltransplantationen.

Die meisten Transplantationen erfolgten dem Register zufolge an jeweils sechs Zentren in Italien (n = 29) und Deutschland (n = 13). Häufigste Indikationen waren das Ewing-Sarkom (n = 18), das Rhabdomyosarkom (n = 11) sowie Brustkrebs und Neuroblastom (jeweils n = 10).

Die Autoren hatten eigentlich erwartet, dass aufgrund der erfolgreichen Entwicklung molekularimmunologischer Strategien viel weniger Stammzelltransplantationen bei soliden Tumoren vorgenommen werden. Unter 32 Patienten, von denen die Zentren bei einer Umfrage genauere Angaben übermittelt hatten, waren neun Patienten - und damit mit einem Anteil von 28 Prozent die meisten - an einem Rhabdomyosarkom erkrankt, sieben an einem Ewing-Sarkom, vier an Brustkrebs und drei an einem Neuroblastom.

Jeweils ein Patient war etwa an Pankreas-Ca, Ovarial-Ca, Thymom oder Mesenchymom erkrankt. Meist handelte es sich um solide Tumoren, die typischerweise bei jungen Patienten auftreten.

Auf die Frage, ob sie Patienten mit soliden Tumoren weiterhin eine allogene Stammzelltransplantation anbieten würden, antworteten zehn von 18 teilnehmenden Zentren mit ja. Drei Zentren würden es nicht tun sowie drei nur unter bestimmten Bedingungen, etwa nach einer autologen Transplantation zur Remissionserhaltung. (ple)

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