Ärzte Zeitung, 28.06.2016

Pankreaskarzinom

Fokus auf ältere Patienten

Erstmals hat eine neue Studie eine individualisierte Therapie für hochbetagte Patienten zum Ziel.

MANNHEIM. Die GrantPax-Studie (Geriatric assessment directed trial to evaluate gemcitabine +/- nab-paclitaxel in elderly pancreatic cancer patients) möchte mit Hilfe eines einzigartigen Studiendesigns eine auf den einzelnen hochbetagten Patienten zugeschnittene, individualisierte Therapieempfehlung ermitteln, heißt es in einer Mitteilung der Universitätsmedizin Mannheim.

Dazu wird ein intensives begleitendes geriatrisches Assessment zu Beginn und im Verlauf der Studie betrieben, durch das der medizinische, psychische und funktionelle Allgemeinzustand des Patienten sehr genau beurteilt und die weitere Medikation entsprechend angepasst werden kann.

Die Kombinations-Chemotherapie von Gemcitabin mit Nab Paclitaxel gilt bei Patienten mittleren Alters mit Pankreaskarzinom als Erstlinien- oder Standardtherapie, auf der Basis einer Studie (MPACT-Studie), die bei dieser Patientengruppe einen signifikanten Vorteil im Gesamtüberleben nachweisen konnte. Die in der MPACT-Studie eingeschlossene, vergleichsweise geringe Zahl älterer Patienten (10 Prozent der Probanden) hingegen schien nicht zu profitieren, was sich nicht mit klinischen Erfahrungswerten deckt.

Ältere Patienten unterrepräsentiert

Dabei spiegelt die Studie ein verbreitetes und grundsätzliches Problem wider, dass nämlich erstens ältere Patienten in klinischen Studien unterrepräsentiert sind und zweitens therapiebeeinflussende Merkmale des Alterns wie Komorbiditäten oder veränderte Stoffwechselbedingungen bei diesen Probanden nicht ausreichend berücksichtigt werden.

Zum Hintergrund: Obwohl mehr als die Hälfte aller Krebserkrankungen bei Patienten jenseits des 65. Lebensjahres entstehen und fast zwei Drittel aller tumorbedingten Todesfälle diese Altersgruppe betrifft, ist die Gruppe der über 65- oder über 70-Jährigen in klinischen Studien meist unterrepräsentiert. Gerade bei diesen älteren Patienten erfordert das häufigere Auftreten von Nebenwirkungen aufgrund von Komorbiditäten und Medikamenteninteraktionen eine besondere Überwachung der chemotherapeutischen Behandlung.

Dies hat auch zur Konsequenz, dass ältere Patienten seltener mit einer systemischen (Chemo-)Therapie behandelt werden als jüngere Patienten in einer vergleichbaren Krankheitssituation, da eine fundierte Datenbasis fehlt. Untersuchungen zeigen aber, dass die therapeutischen Erfolge einer Chemotherapie in höherem Alter denen bei jüngeren Patienten durchaus vergleichbar sind.

Auch das Pankreaskarzinom trifft vor allem ältere Patienten: das mittlere Alter liegt bei 71 Jahren, der Erkrankungsgipfel zwischen dem 75. und 84. Lebensjahr. Daher ist mit einer großen Zahl von Patienten mit geriatrischen Problemen zu rechnen, welche Einflüsse auf die Therapie haben können.

GrantPax-Studie zielt auf Über-70.-Jährige

In die GrantPax-Studie werden Patienten im Alter ab 70 Jahre eingeschlossen. Das in der Studie angewendete geriatrische Assessment kombiniert verschiedene Verfahren, die sämtliche möglichen Einflüsse auf das Therapieansprechen aufgrund des Alterns - physiologische, medizinische, soziale, funktionale und kognitive Einflüsse - erfasst.

Die speziell auf Patienten höheren Alters angelegte Studie soll zeigen, dass es möglich ist, auf der Basis von Testungen eine individuelle Behandlung für den hochbetagten Patienten zu ermitteln, die auch älteren, geriatrischen Patienten mit Pankreaskarzinom eine optimale Therapie verspricht.

Die Studie der Phase IV wird von Dr. Nicolai Härtel und Professor Matthias Ebert, am Zentrum für Geriatrische Onkologie und Biologie in der Metropolregion Rhein Neckar (ZOBEL) der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg, geleitet. An dermultizentrischen Studie sind von Beginn an sechs Zentren beteiligt, die sich auf verschiedene Bundesländer verteilen. Die Studie wird im Rahmen der Arbeitsgemeinschaft Internistische Onkologie der Deutschen Krebsgesellschaft e. V. durchgeführt. (eb)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Langes Arbeiten kann tödlich sein

Eine lange Wochenarbeitszeit erhöht das Risiko für Herzerkrankungen und Krebs. Forscher konnten die Stundenzahl sogar exakt angeben, ab der sich das Risiko stark erhöht. mehr »

Ausschuss reißt Frist des Gesetzgebers

Das neue Qualitätsmaß für Pflegeheime gerät in Verzug. Eine Studie bietet eine Alternative an. mehr »

Jeder dritte Demenz-Fall vermeidbar

Finge die Demenz-Prävention bereits in der Kindheit an, könne die Krankheit bei einem Drittel aller Erwachsenen verhindert werden – so eine Studie. mehr »