Ärzte Zeitung App, 18.12.2014

Neuartiger Antikörper

Therapie-Durchbruch bei Blasenkrebs?

Forschungsergebnisse aus den USA machen Hoffnung: Ein neuartiger Antikörper hilft Patienten mit metastasiertem Blasenkrebs, die auf Chemotherapie nicht mehr ansprechen. Für das Präparat gilt jetzt ein beschleunigtes Zulassungsverfahren.

Von Peter Leiner

Therapie-Durchbruch bei Blasenkrebs?

Blasenkrebs: Haben Betroffene bereits Metastasen, ist die Chemotherapie wenig wirksam

© Sebastian Kaulitzki / fotolia.com

LONDON. Mit dem neuartigen Antikörper MPDL3280A von Genentech lassen sich bei Patienten mit metastasiertem Blasenkrebs, die auf eine Chemotherapie etwa mit Cisplatin nicht mehr ansprechen, noch hohe Ansprechraten erzielen.

Es handelt sich um ein gentechnisch hergestelltes monoklonales Immunglobulin G1, das die Wechselwirkung zwischen dem Eiweißmolekül PD-L1 (programmed death ligand 1) und dem Rezeptor PD1 sowie dem Zelloberflächenmarker CD80 (B7.1) auf T-Lymphozyten unterbindet.

Der Antikörper richtet sich gegen PD-L1. Dieser Ligand ermöglicht es Tumorzellen, die zelluläre Immunabwehr gewissermaßen zu unterwandern.

PD-L1 lässt sich in Tumoren (außer auf Krebszellen) auch auf den tumorinfiltrierenden Immunzellen nachweisen und bremst die Immunabwehr gegen den Tumor aus. Der Antikörper verhindert das.

Patienten in schlechter körperlicher Verfassung

An einer Phase-1-Studie dazu nahmen 68 von über 200 getesteten Patienten mit fortgeschrittener Erkrankung teil. 30 Patienten hatten PD-L1-positive Tumoren, wie Onkologen um Dr. Thomas Powles von der Universität London berichten (Nature 2014; 515: 558).

Fast 93 Prozent der Patienten hatten zuvor eine Cisplatin- oder Carboplatinbehandlung erhalten. Bei 42 Prozent waren vor der Immuntherapie mindestens zwei systemische Krebsbehandlungen vorgenommen worden.

Die meisten Patienten waren in schlechter körperlicher Verfassung. 75 Prozent hatten viszerale Metastasen, bei jedem Fünften lag der Hb-Wert unter 10 g/dl und bei jedem Dritten die Kreatinin-Clearance unter 60 ml/min.

Ergebnis: Nach sechs Wochen Follow-up hatten 43 Prozent der Patienten mit PD-L1-positiven Tumoren auf die Therapie angesprochen (13 von 30). Beurteilt wurde dabei eine Abnahme des Tumorvolumens nach den RECIST-Kriterien (Response Evaluation Criteria in Solid Tumors).

Von den PD-L1-negativen Patienten sprachen elf Prozent an (4 von 35 Patienten). Nach zwölf Wochen betrug die Ansprechrate bei den PD-L1-positiven bereits 52 Prozent. Die Patienten sprachen rasch auf die Behandlung an, im Median nach 42 Tagen.

Bei zwei Patienten ließ sich mit bildgebenden Verfahren auch im Verlauf der Studie kein Tumorgewebe nachweisen. Insgesamt sei die Behandlung gut vertragen worden, häufigste unerwünschte Wirkungen seien mit je 12 Prozent Fatigue und Appetitmangel gewesen, so die Onkologen.

Beschleunigtes Zulassungsverfahren

Andere Studien hatten bereits gezeigt, dass auch Patienten mit nicht kleinzelligem Lungenkrebs oder mit einem Melanom von einer Behandlung mit dem monoklonalen Antikörper profitieren.

Wegen der positiven Daten hat die US-Zulassungsbehörde FDA dem Präparat den "breakthrough designation"-Status verliehen.

Bei Präparaten mit diesem Status zur Behandlung von Patienten mit schweren oder lebensbedrohlichen Erkrankungen wird das Zulassungsverfahren beschleunigt.

Ein Kriterium für den Status in einer frühen Phase der klinischen Entwicklung ist, dass das Präparat wenigstens in einem klinischen Endpunkt besser ist als bisher verfügbare Therapien.

|

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Top-Meldungen

Gefährlich für Herz und Hirn

Soziale Isolierung und Einsamkeit können offenbar die Wahrscheinlichkeit erhöhen, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden. mehr »

Kinder als Schutzfaktor gegen Stress

Kinder halten gesund - das legt der aktuelle TK-Gesundheitsreport nahe. Dennoch nehmen psychische Erkrankungen bei den 30- bis 44-Jährigen zu. mehr »

"Doktorarbeiten - oft eine Farce"

Solveig Mosthaf will Ärztin werden und gerne den Doktortitel mit Stolz führen. Doch die Medizinstudentin findet: Doktorarbeiten werden "fast schon inflationär" geschrieben. Warum allzu oft die motivierte Idee zur Farce verkommt, erläutert sie in ihrem Gastbeitrag für die "Ärzte Zeitung". mehr »