Ärzte Zeitung, 01.04.2015

Blasenkrebs

Urin verrät Überlebenschancen

Ob ein Harnblasenkarzinom besonders aggressiv ist, könnte künftig ein simpler Urintest zeigen. Darauf lassen britische Forschungsergebnisse hoffen.

Von Veronika Schlimpert

Urin verrät Überlebenschancen

Urin kann Aufschluss über die Aggressivität des Harnblasenkarzinoms geben.

© Rob Byron / fotolia.com

BIRMINGHAM. Die Suche nach Biomarkern für das Harnblasenkarzinom hat einen neuen Ansatz hervorgebracht: die "Epidermal Growth Factor"-Rezeptor(EGFR)-Konzentration im Urin.

Lösliches Urin-EGFR taugt einer aktuellen Untersuchung zufolge zwar nicht als Diagnosemarker, als Prognosemarker zur Vorhersage des tumorspezifischen Überlebens hat es jedoch Potenzial.

Auf ihrer Suche nach potenziellen Biomarkern haben Forscher um Richard Bryan von der Universität in Birmingham zunächst das Repertoire der von acht verschiedenen Blasenkarzinom-Zelllinien sezernierten Proteine nach geeigneten Kandidaten durchsucht und dieses mit Expressionsdaten des Human Protein Atlas verglichen (Brit J Cancer 2015; online 26. Februar).

Dabei stießen die Wissenschaftler auf EGFR, das spezifisch von Blasenkarzinomzellen sezerniert wird.

Daraufhin verglichen sie die Konzentrationen des Urin-EGFR von 436 Patienten mit Harnblasenkarzinom mit denen von 60 gesunden Kontrollen.

Erhöhte EGFR-Spiegel im Urin

Erhöhte EGFR-Spiegel im Urin fanden sich bei 27 Prozent der Patienten mit muskelinvasiven Blasenkarzinomen und bei 17 Prozent der Teilnehmer mit Blasenkarzinomen vom Grad III.

Im Gegensatz dazu lag das Urin-EGFR im Falle von nicht-invasiven Tumoren (pTa) und niedrig-gradigen Karzinomen im Normalbereich.

Anschließend prüften die Wissenschaftler die prognostische Aussagekraft des Urin-EGFR. Danach sprechen erhöhte Konzentrationen, unabhängig vom Tumorgrad und -stadium, für ein geringes tumorspezifisches Überleben (Hazard Ratio: 2,89).

Darüber hinaus könnte ein Modell, das Urin-EGFR mit dem Biomarker EpCAM - ebenfalls ein Indikator für das tumorspezifische Überleben - kombiniert, einen prognostischen Mehrwert bieten.

Demzufolge haben Patienten eine gute Prognose, wenn ihre Urin-Konzentration für beide Biomarker normal ausfällt.

Fällt ein Test hingegen für EGFR positiv und für EpCAM negativ aus, steigt das Risiko des Patienten, an der Krebserkrankung zu versterben, um das 6,7-Fache. Falls beide Biomarker positiv sind, ist das Risiko 2,6-fach erhöht.

Lösliches EGFR würde sich somit zwar nicht als diagnostischer Biomarker eignen, schreiben die Studienautoren. Doch bei Patienten mit bereits diagnostiziertem Harnblasenkarzinom sei es ein unabhängiger Indikator für das tumorspezifische Überleben.

Ein ELISA-Test auf Urin-EGFR und EpCAM könnte somit eine einfache und sinnvolle Methode sein, um Patienten mit besonders aggressiven Blasenkarzinomen früh zu identifizieren und dadurch deren Untersuchung und Behandlung zu beschleunigen, schlussfolgern Bryan und Kollegen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Langes Arbeiten kann tödlich sein

Eine lange Wochenarbeitszeit erhöht das Risiko für Herzerkrankungen und Krebs. Forscher konnten die Stundenzahl sogar exakt angeben, ab der sich das Risiko stark erhöht. mehr »

Ausschuss reißt Frist des Gesetzgebers

Das neue Qualitätsmaß für Pflegeheime gerät in Verzug. Eine Studie bietet eine Alternative an. mehr »

Jeder dritte Demenz-Fall vermeidbar

Finge die Demenz-Prävention bereits in der Kindheit an, könne die Krankheit bei einem Drittel aller Erwachsenen verhindert werden – so eine Studie. mehr »