Ärzte Zeitung, 27.03.2006

Seltenes Bronchial-Ca erfordert Zweittherapie

Rezidiv beim kleinzelligen Lungenkarzinom / Patienten profitieren von der Behandlung mit Topoisomerase-Hemmer

BERLIN (sko). Patienten mit einem kleinzelligen Bronchial-Ca haben nach Versagen der Erstlinientherapie eine schlechte Prognose. Eine Option ist dann der Topoisomerase-Hemmer Topotecan, der sowohl das Überleben verlängern als auch die Symptome lindern kann.

Da das kleinzellige Bronchialkarzinom (SCLC) nur einen Anteil von etwa 12 bis 15 Prozent der Bronchialkarzinome ausmacht, wird darüber nur wenig geforscht. Das hat Professor Norbert Niederle vom Klinikum Leverkusen beim Deutschen Krebskongreß in Berlin berichtet. Entsprechend gibt es nur wenige Daten und besonders wenige zu Rezidiven, die bei SCLC sehr häufig sind.

    Die Behandlung bessert auch die Lebensqualität.
   

"95 Prozent der SCLC-Patienten benötigen eine Zweittherapie", so Professor Martin Wolf vom Klinikum Kassel. Und auch dann sei das Überleben nur kurz und die verbleibende Zeit beherrscht von den Symptomen. "Die Patienten brauchen dann eine unmittelbare Therapie, die vor allem die Lebensqualität verbessert", sagte Wolf bei einer vom Unternehmen GlaxoSmithKline unterstützten Veranstaltung.

Die Mittel, die hier zur Verfügung stehen, waren bisher eher dürftig: "Vor der Topotecan-Ära gab es keinen richtigen Standard für die Zweitlinientherapie", berichtete Wolf. Dies hat sich mit der Zulassung von Topotecan (Hycamtin®) zur Zweittherapie des kleinzelligen Bronchialkarzinoms geändert. Damit behandelte Patienten hatten einer Studie zufolge ein längeres Überleben als die Vergleichsgruppe, und außerdem war ihre Lebensqualität besser.

Zur Erinnerung: An der Studie nahmen 141 Patienten mit einem SCLC-Rezidiv innerhalb von 45 bis 60 Tagen nach der Ersttherapie teil. Die Patienten erhielten entweder eine "Best Supportive Care" (BSC) - also optimale symptomatische Behandlung - oder BSC plus vier Zyklen Topotecan (2,3 mg/m2 über fünf Tage). Mit dem Topoisomerase-Hemmer betrug die mittlere Gesamtüberlebenszeit 26 Wochen, mit BSC allein hingegen nur 14.

Dabei profitierten auch Patienten mit einem schlechten Allgemeinzustand oder einer besonders schnellen Rezidivbildung von der Therapie. Zugleich gingen Kurzatmigkeit, Schlafstörungen und Fatigue signifikant stärker zurück als mit BSC allein. "Mit dieser Studie haben wir jetzt eine wissenschaftliche Basis dafür, daß Patienten mit einem SCLC-Rezidiv von einer Zweitlinientherapie profitieren", sagte Wolf.

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