Ärzte Zeitung, 28.03.2006

CT-Screening auf Lungenkrebs - ist das sinnvoll?

Vorteil: Man kann frühe Stadien entdecken / Nachteil: Es gibt noch zu viele falsch-positive Befunde

BERLIN (gvg). Reihenuntersuchungen auf das Bronchialkarzinom sind derzeit noch nicht indiziert. Aufnahmen mit dem Spiral-CT könnten sinnvoll sein, doch stehen dazu die Ergebnisse einer großen US-amerikanischen Studie noch aus.

Untersuchungen der Lunge mit Spiral-CT oder die Sputumzytologie werden in Deutschland zunehmend als individuelle Gesundheitsleistungen zur Früherkennung des Bronchialkarzinoms angeboten.

Das hat Dr. Jürgen Wolf vom Centrum für integrierte Onkologie der Universität Köln gesagt. Auf einem Symposium zur Tumorprävention beim Deutschen Krebskongreß in Berlin riet der Wissenschaftler, von diesen Angeboten abzusehen.

So sei in randomisierten, kontrollierten Studien klar belegt, daß eine zytologische Untersuchung einmal pro Jahr, ob mit oder ohne Röntgenthoraxaufnahme, nichts an der Mortalität bei Bronchialkarzinomen und deren schlechten Prognose ändere.

Auch eine Reihenuntersuchung mit Spiral-CT der Lunge lehnt Wolf zum jetzigen Zeitpunkt ab. Doch hier sei das letzte Wort noch nicht gesprochen, denn die Resultate einer US-amerikanischen Studie stünden noch aus.

Nach einer nicht-randomisierten Studie liegt der Anteil der im prognostisch günstigen Stadium I operierten Patienten in Screening-Kohorten bei 85 Prozent, sonst nur bei 20 bis 30 Prozent. Erkauft wird dieser Gewinn mit vielen Eingriffen bei gesunden Menschen.

Bei 237 von 1000 Probanden, bei denen ein Spiral-CT-Screening der Lunge gemacht wurde, ergab sich ein Befund, aber "nur" 31 hatten tatsächlich ein Bronchialkarzinom. Solange nicht Daten aus randomisierten und kontrollierten Studien vorlägen, sei eine Reihenuntersuchung mit Spiral-CT voreilig, sagte Wolf.

Risiko-Nutzen-Abwägung erst 2009

Bis etwa 2009 müssen sich Mediziner noch gedulden. Dann werden die ersten Ergebnisse einer Großstudie des US-amerikanischen National Cancer Institute mit 50 000 Menschen erwartet.

Bei einer Hälfte der Probanden im Alter zwischen 55 und 74 Jahren wird dreimal im Abstand von je einem Jahr eine Aufnahme mit Spiral-CT gemacht, bei der anderen Hälfte mit Röntgengeräten. Primärer Endpunkt ist die Mortalität durch Bronchialkarzinom. So soll geprüft werde, ob dieser Parameter in der CT-Gruppe deutlich geringer ist oder ob der Nutzen eventuell durch eine erhöhte Zahl von Komplikationen bei Gesunden aufgewogen wird. (gvg)

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