Ärzte Zeitung, 08.05.2007

Sind Mesotheliome häufiger als gemeldet?

Essener Pneumologe fordert nationale Empfehlungen zum Vorgehen bei Mesotheliomverdacht

MANNHEIM (grue). Bösartige, durch Asbest ausgelöste Tumoren der Brustwand, die Mesotheliome, treten erst 30 bis 50 Jahre nach Exposition auf. Onkologen rechnen noch bis zum Jahr 2015 mit einer steigenden Zahl von Neuerkrankungen. Tatsächlich ist die Rate derzeit aber rückläufig.

Von 1998 bis 2004 stieg die Zahl der pro Jahr gemeldeten Neuerkrankungen von 837 auf 1119. Im Jahr 2005 waren es dann noch 1072 Neuerkrankungen. Das hat Professor Helmut Teschler von der Ruhrlandklinik Essen berichtet. Mesotheliome werden mittlerweile zu 80 Prozent als Berufskrankheit anerkannt.

"Ich frage mich aber, ob in Deutschland im Gegensatz zu anderen Ländern der Gipfel der Asbest-Erkrankungen tatsächlich schon erreicht ist, oder ob andere Gründe vorliegen, die diesen Trend erklären", so Teschler beim Pneumologie-Kongress in Mannheim. Die durchschnittliche Lebenserwartung von Patienten mit einem Mesotheliom liegt bei elf Monaten.

Teschler vermutet, dass nicht jeder Verdachtsfall erkannt und wie vorgesehen gemeldet werde, da bei Pleura-Erguss zu selten eine Thorakoskopie gemacht werde. "Nur dadurch lassen sich Pleura-Plaques nachweisen, die für das Mesotheliom charakteristisch sind", so Teschler. Außerdem können dann Gewebeproben entnommen und histologisch untersucht werden.

"Doch selbst wenn der erste Biopsiebefund unverdächtig ist, handelt es sich bei entsprechendem klinischem Befund und bekannter Asbestbelastung zu 15 Prozent um ein Mesotheliom", sagte Teschler. Es müsse dann eine Referenzpathologie beim Deutschen Mesotheliom-Register in Bochum angefordert werden. Doch auch das unterbleibe gelegentlich. Etwa 15 Prozent der ersten Biopsien seien falsch negativ (falscher Entnahmeort), weshalb Mesotheliome übersehen werden.

Da Patienten mit fortgeschrittenen Mesotheliomen eine kurze Lebenserwartung haben, wäre eine schnelle Anerkennung durch die Berufsgenossenschaften wichtig. Ist ein Patient gestorben, kann zumindest eine Obduktion Klarheit bringen. Aber auch darauf wird zu oft verzichtet. Dann können die Angehörigen keine Entschädigung beanspruchen. "Wir brauchen deshalb nationale Empfehlungen zum standardisierten Vorgehen bei Verdacht auf Pleuramesotheliom", so Teschler.

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