Ärzte Zeitung, 16.09.2008

Praxis


Gewinner des Prix Galien Frankreich 2006, des Prix Galien Niederlande 2006 und des Prix Galien Deutschland 2007. Kandidat für den Prix Galien International 2008.
Hier stellt sich der Kandidat vor.

Die Antikörpertherapie ist gut in die Routine integriert

Bevacizumab (Avastin®) hat sich als guter Kombipartner für die Chemotherapie bei mehreren Tumorarten erwiesen.

In der täglichen Praxis ist die Anwendung von Bevacizumab inzwischen zur Routine geworden. Das Medikament wird infundiert, und zwar alle zwei oder drei Wochen, je nach Indikation. Viel Erfahrung in der Therapie mit dem Angiogenese-Hemmer hat Professor Jürgen Wolf von der Uniklinik Köln. Wolf, der Ärztlicher Leiter des Centrums für Integrierte Onkologie (CIO) ist, überblickt bereits die Behandlung von mehreren Hundert Patienten, vor allem mit einem Lungen- oder Kolorektal-Karzinom.

In der Regel sei die Infusion bereits nach einer halben Stunde beendet, die erste Infusion könne etwas länger dauern, so Wolf zur "Ärzte Zeitung". Eine Prämedikation, etwa ein Antihistaminikum oder ein Kortikoid wie bei vielen anderen Antikörpern, sei nicht erforderlich. Das unterstreiche die gute Verträglichkeit des Präparates.

Bevacizumab kann in der Regel ohne signifikante Toxizitätssteigerung mit der Standard-Chemotherapie kombiniert werden, beim metastasierten Nierenzell-Ca mit Interferon-alfa. Wolf: "Ein wesentlicher Effekt des Medikaments scheint die Wirksamkeitsverstärkung der Chemo zu sein. Die Chemotherapeutika gelangen dadurch besser an die Tumorzellen."

Das Medikament wird innerhalb von 30 Minuten infundiert.

Trotz der guten Verträglichkeit von Bevacizumab ist zu beachten, dass es in sehr seltenen Fällen schwere unerwünschte Wirkungen, etwa Blutungen oder gastrointestinale Perforationen, auslösen kann. Deshalb sei besonders darauf zu achten, dass die Indikationseinschränkungen eingehalten werden. Ein Beispiel ist das nichtkleinzellige Bronchialkarzinom.

In ersten Studien mit unselektionierten Patienten, die ein nicht-kleinzelliges Bronchial-Karzinom - die häufigste Form von Lungenkrebs - hatten, sei es bei bis zu acht Prozent der Patienten zu schweren Blutungen in der Lunge gekommen, so Wolf. Es habe sich herausgestellt, dass dies größtenteils Patienten mit einem Plattenepithelkarzinom - vor allem mit zentraler Lage in der Nähe der großen Gefäße - waren. Wurden in der Folge nur Patienten behandelt, die ein Adenokarzinom hatten, aber kein Plattenepithelkarzinom, dann waren Blutungen nur noch extrem selten. Adeno- und Plattenepithelkarzinome sind die beiden häufigsten Unterformen des nicht- kleinzelligen Bronchial-Karzinoms.

Patienten, die eine Bevacizumab-Therapie erhalten, werden damit in der Regel bis zum Fortschreiten der Erkrankung behandelt, um maximale Effektivität zu erreichen. Wenn sie eine Therapiepause wünschen, etwa wegen eines längeren Urlaubs, würde das gerade in der palliativen Situation individuell entschieden, meint Wolf. Doch könne man aufgrund aktueller Daten schlecht vorhersagen, um wie viel dadurch die Wirksamkeit eingeschränkt werde.

Weil Bevacizumab bei vielen Tumoren auf die Gefäßversorgung wirkt, sprechen Onkologen auch von einem Pan-Tumor-Prinzip. Erste Studien unter anderen an der Kölner Klinik lassen vermuten, dass das Medikament auch Patienten mit Morbus Hodgkin hilft. (ple)

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