Ärzte Zeitung online, 08.01.2009

In Europa bedingt Radon acht Prozent der Todesfälle durch Bronchial-Ca

OXFORD (ars). In den Ländern der Europäischen Union gehen acht Prozent der Todesfälle durch Lungenkrebs auf erhöhte Radonkonzentrationen in Wohnräumen zurück. Jährlich sterben dadurch in der EU 18 000 Menschen.

Diese Zahlen stellt Professor Alastair Gray von der Universität Oxford vor (wie bereits kurz berichtet). Sie basieren auf einer europaweiten Untersuchung mit 7000 Lungenkrebs-Patienten und 21 000 Vergleichspersonen (BMJ 338, 2009, a3110).

In Großbritannien gehen demnach 3,3 Prozent aller Todesfälle durch Lungenkrebs zu Lasten von Radon in Wohnungen, insgesamt sind das 1100 Menschen. 95 Prozent von ihnen sterben durch eine Exposition, die unterhalb des Richtwerts von 200 Becquerel (Bq) pro Kubikmeter liegt, ab denen Sanierungsmaßnahmen empfohlen werden.

In anderen europäischen Ländern ist Lungenkrebs durch Radon noch häufiger, weil dort die Konzentrationen mit durchschnittlich 55 Bq pro Kubikmeter höher liegen als in Großbritannien mit 21 Bq pro Kubikmeter.

Sechs von sieben Radon-Todesfälle treten bei Menschen auf, die aktuell rauchen oder früher geraucht haben. Als beste Möglichkeit, dieses Risiko zu vermeiden, empfehlen die Autoren: auf Zigaretten verzichten oder Maßnahmen zur Verringerung des Radons ernst zu nehmen.

Die Autoren kritisieren, dass die Regierung sich um Schutzvorkehrungen für Häuser mit hohen Radonwerten bemüht, aber geringere Werte vernachlässigt. Dabei seien schon einfache Maßnahmen kostengünstig. Zudem weigerten sich viele Hauseigentümer, den Gehalt in der Raumluft messen zu lassen oder Geld für eine Sanierung auszugeben.

Das Edelgas Radon ist ein natürliches Umweltgift, das im Boden durch Zerfall von Uran entsteht. Aus dem Untergrund strömt es durch undichte Stellen des Fundaments oder Kellers in die Häuser. Beim Einatmen gelangt es in die Lunge und erzeugt dort eine radioaktive Strahlung. Neue Gebäude sind oft schon so gebaut, dass wenig Radon eindringt. In Altbauten können die Radonwerte etwa gesenkt werden durch: häufiges Lüften (auch im Keller), Abdichten von Fugen und Rissen (auch an Rohren), Staubwischen (da die radioaktiven Teilchen meist an Staub gebunden vorliegen). Hilft das nicht, sind aufwändigere Sanierungen zu erwägen, wie Verlegen von Kunststofffolien, Beschichtung des Fundaments und Lüftungstechniken.

In Deutschland gibt es bisher keine gesetzlichen Regelungen zur Begrenzung der Radonexposition in Gebäuden. Angepeilt werden 100 Becquerel pro Kubikmeter. Dieser Wert liegt unterhalb der Schwelle, ab der in epidemiologischen Studien ein Anstieg des Lungenkrebsrisikos festgestellt wurde. Einige Länder wie Norwegen haben schon gesetzlich verankerte Grenzwerte (200 Becquerel pro Kubikmeter), die nicht überschritten werden dürfen.

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