Ärzte Zeitung online, 16.03.2010

Feine Tentakeln helfen Krebszellen, sich in fernen Körperregionen festzusetzen

BALTIMORE (ple). Ein Eiweißmolekül, das im Zusammenhang mit der Alzheimer-Demenz bekannt geworden ist, macht offenbar die Metastasierung bei Krebspatienten möglich. Es sorgt dafür, dass sich die Zellen in tumorfernen Regionen, zum Beispiel in der Lunge, festsetzen können.

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Krebszellen mit Mikrotentakeln, die die Metastasierung fördern. © University of Maryland Greenebaum Cancer Center

Dieses Anheften an gesundem Gewebe gelingt den Tumorzellen mit Hilfe von Mikrotentakeln, die sich aus der Membran herausstülpen. Damit das möglich ist, muss allerdings das Eiweißmolekül "tau" synthetisiert werden, wie Krebsforscher um Dr. Stuart S. Martin vom Greenebaum Cancer Center der Universität von Maryland in Baltimore berichten (Oncogene online). Bei Alzheimer-Patienten ist die Menge des Moleküls in der Rückenmarkflüssigkeit drastisch erhöht. Es stabilisiert in den Nervenzellen die Mikrotubuli, die für die Stabilität der Zellen sorgen. Fehlen tau-Moleküle, führen sie zum Abbau der Zellen und zur Demenz.

Auch in streuenden Krebszellen kommt das tau-Molekül vermehrt vor. In diesen Zellen sorgt es dafür, dass sich die Membran an vielen Stellen ausstülpt und dadurch die Mikrotentakel entstehen. So können sich die Krebszellen etwa in den feinen Gefäßen der Lunge festsetzen. Fehlt das Protein, dann können sich Krebszellen, die sich aus einem Tumor gelöst haben, nicht oder nur ganz schwer in anderen Körperregionen an dem Gewebe festhalten.

Wie die US-Forscher berichten, untersuchten sie das Tumorgewebe von Frauen mit Brustkrebs und entdeckten, dass jede zweite Patientin das tau-Protein in den Metastasen hatte. Und: Mit dem Fortschreiten der Erkrankung war auch eine Erhöhung der tau-Syntheserate bei jeder vierten Patientin assoziiert. Auch bei chemotherapieresistenten Patientinnen wurde das Molekül vermehrt nachgewiesen.

Einen möglichen neuartigen Therapieansatz präsentieren die US-Wissenschaftler auch noch: die Hemmung von tau und anderen Eiweißmolekülen mit ähnlichen Eigenschaften. Ein Kandidat wurde schon in ersten Versuchen ausprobiert: Albendazol, das Synthese von tau um die Hälfte reduziert.

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