Ärzte Zeitung online, 08.04.2010

Aktivierte Gene bei Rauchern zeigen Lungenkrebs schon an, wenn er entsteht

NEW YORK (dpa). Ein spezieller Biomarker kann Raucher identifizieren, die ein besonders hohes Lungenkrebsrisiko haben. Diese Beobachtung ermöglicht einen neuen Ansatz zur Früherkennung und für eine maßgeschneiderte Behandlung, sagen US-Forscher.

Lungenkrebs wird meist erst im fortgeschrittenen Stadium erkannt. Forscher sind seit langem auf der Suche nach einer effektiven Früherkennungsmethode.

Neun von zehn Lungenkrebsfälle in der westlichen Welt gehen auf Rauchen zurück. Doch längst nicht jeder Raucher erkrankt an Krebs. Die Forscher um Dr. Adam M. Gustafson vom Boston University Medical Center in Boston, USA, fahndeten daher nach genetischen Signalen im Gewebe derjenigen 10 bis 20 Prozent Raucher, die zu Krebspatienten werden. Tatsächlich stellten sie fest, dass bei kranken Rauchern in der Auskleidung der Bronchien eine Reihe von Genen aktiviert waren, die bei den krebsfreien Rauchern nicht auffielen (Sci Transl Med 2, 2010, 26ra25).

Die aktivierten Gene gehören zu einem biochemischen Entwicklungspfad, der normale Zellen in Tumorzellen verwandelt. Er ist als PI3K bekannt. Diese Entwicklung sei mit dem Krebsmittel Myo-Inositol umkehrbar, bevor sich ein Tumor bildet. Daher könnten anhand der aktivierten Gene nicht nur Raucher mit besonders hohem Lungenkrebsrisiko identifiziert werden, die Tumoren ließen sich durch die rechtzeitige Gabe des Krebsmittels möglicherweise sogar verhindern. Dies könnte sich als die erste effektive Behandlung erweisen, um Lungenkrebs bei Rauchern mit hohem Risiko zu verhindern.

Nach Ansicht der Forscher eignet sich der Test auf die aktivierten Gene besonders für eine Reihenuntersuchung des Bronchien-Gewebes von Rauchern. "Diese Erkenntnisse sind bedeutend, weil diese Zellen auf eine relativ nicht-invasive Weise gewonnen werden können", erläuterte Forschungsleiter Dr. Avrum Spira von der Universität Boston. Gewebeproben aus der Lunge, wo sich Tumoren normalerweise entwickeln, seien nicht nötig. "Dies ist ein entscheidender Fortschritt auf dem Feld der Vorbeugung von Lungenkrebs, da es bislang keine effektiven Strategien für Lungenkrebsprävention bei Hochrisiko-Rauchern gibt."

An Lungenkrebs sterben weltweit mehr als eine Million Menschen jährlich.

Zur Studie "Airway PI3K Pathway Activation Is an Early and Reversible Event in Lung Cancer Development"

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