Ärzte Zeitung online, 02.05.2014

Lungenkarzinom

Radiatio erhöht Chancen

Krebstherapie: Selbst bei weit fortgeschrittenem Lungenkrebs verlängert die Strahlentherapie offenbar das Überleben.

BERLIN. Mehr als 50.000 Menschen in Deutschland erkranken pro Jahr an Lungenkrebs. Eine Strahlentherapie kann fortgeschrittenen Lungenkrebs zwar häufig nicht mehr heilen, den Tumor aber oft zumindest vorübergehend zurückdrängen.

Dies gelang in einer Studie aus Norwegen, ohne die Lebensqualität der Patienten wesentlich zu beeinträchtigen, teilt die Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) mit. Ob eine Bestrahlung für einen Patienten in Frage kommt und ihm hilft, muss jedoch in jedem einzelnen Fall ein Experte beurteilen, so die DEGRO.

Lungenkrebs wird oft erst entdeckt, wenn eine Heilung nicht mehr möglich ist. Den Wert der Chemotherapie belegen bereits jüngere Studien. Der Nutzen einer zusätzlichen Bestrahlung wurde erstmals in einer größeren Studie untersucht. In Norwegen prüften Ärzte das Verfahren an 191 Patienten mit einem nicht operablen nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinom (Br J Cancer 2013; 109(6): 1467-75).

Alle Patienten erhielten eine Chemotherapie. Bei der Hälfte wurde zusätzlich eine Strahlentherapie durchgeführt. Die Chemoradiatio verlängerte die mittlere Überlebenszeit der Patienten von 9,7 auf 12,6 Monate. Dabei verschlechterte sich die Lebensqualität nicht, abgesehen von einer kurzen Phase während der Bestrahlung selbst.

Die norwegische Studie ist nach Angaben der DEGRO die erste, die neben der Überlebenszeit auch die Lebensqualität der Patienten untersucht hat. "Dies ist besonders wichtig vor dem Hintergrund der Lebenssituation der Patienten", wird Professor Frederik Wenz, Direktor der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie am Universitätsklinikum Mannheim, in der Mitteilung zitiert.

Der DEGRO-Pressesprecher rät dazu, die Auswirkungen der Strahlentherapie mit den Patienten zu besprechen. Die häufigste Komplikation war eine vorübergehende Entzündung der Speiseröhre, die Ösophagitis. Sie trat bei mehr als 85 Prozent der Patienten auf.

Eine Ösophagitis kann für die Patienten kurzfristig sehr schmerzhaft sein und die Nahrungsaufnahme behindern. In der Studie kam es deswegen nicht selten zu Krankenhausaufenthalten.

"Wir meinen, dass diese Belastung nur vertretbar ist, wenn sie die Perspektive auf eine Lebensverlängerung bietet", sagt Wenz. Das galt in der Studie nur für Patienten, deren Alltagsaktivität durch die Krankheit noch nicht eingeschränkt war. Patienten, die durch Alter oder Erkrankung bereits stark behindert waren, hatten keinen Überlebensgewinn. "Wir würden diesen Patienten derzeit von einer Bestrahlung abraten", so Wenz. (eb)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

So schädlich fürs Herz wie Cholesterin

Depressionen steigern bei Männern das Risiko fürs Herz ähnlich stark wie hohe Cholesterinwerte oder Fettleibigkeit. Das ergab eine aktuelle Analyse der KORA-Studie. mehr »

Den Berg im eigenen Tempo erklimmen

Medizinstudentin Solveig Mosthaf fühlt sich im Studium manchmal, als würde sie einen steilen Berg hinauf kraxeln. Sie wünscht sich mehr Planungsfreiheit – und die Möglichkeit, eigene Wege zu gehen. mehr »

Positive HPV-Serologie bringt bessere Prognose

Bei Patienten mit Kopf-Hals-Tumor ist eine positive HPV-16-Serologie mit einem verbesserten Überleben assoziiert. Das bestätigt jetzt eine US-Studie. Demnach liegt die Wahrscheinlichkeit für ein Fünf-Jahres-Überleben sogar 67 Prozent höher. mehr »