Ärzte Zeitung online, 03.12.2014

DKFZ

E-Zigarette könnte neue Einstiegsdroge werden

Forscher am DKFZ in Heidelberg sehen den Vormarsch der E-Zigarette mit Sorge. Sie könnte die Präventionserfolge bei Jugendlichen, erst gar nicht mit dem rauchen anzufangen, gefährden.

HEIDELBERG. Mit ausgeklügelten Marketingstrategien werden E-Zigaretten zunehmend auf dem Markt positioniert. Die Werbung zielt dabei auf zwei Zielgruppen: Rauchern wird die E-Zigarette als "gesündere" Alternative zu Tabakprodukten und Jugendlichen als cooles Lifestyle-Produkt angepriesen.

Dies zeigt eine Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg, deren Ergebnisse im Rahmen der 12. Konferenz für Tabakkontrolle in Heidelberg jetzt vorgestellt wurden.

Danach werden auf dem derzeit völlig unregulierten Werbemarkt vor allem Kinder und Jugendliche mit auf sie abgestimmtem Design zum Ausprobieren der E-Zigaretten "verführt", klagte die Leiterin der Stabsstelle Krebsprävention Dr. Martina Pötschke-Langer die Hersteller an.

Sie forderte die Politik im Sinne des Jugendschutzes auf, für E-Zigaretten ein umfassendes Werbe- sowie Verkaufsverbot für unter 18jährige "endlich" auf den Weg zu bringen: "Weg mit diesen glamourösen Packungen, weg mit dem jugendaffinen Design und den fruchtigen und süßigkeitenähnlichen Aromen", sagte Pötschke-Langer, denn damit werde die Basis für den Konsum von E-Zigaretten gelegt und der Umstieg auf Nikotin- und Tabakprodukte gebahnt.

Zielgruppe: Jugendliche

Sie sieht die Erfolge der Tabakprävention unter Jugendlichen gefährdet. Wie Tabakprodukte sollten E-Zigaretten zudem besteuert werden.

Wie von den Herstellern vorgegangen wird, erläuterte Dr. Verena Viarisio von der Stabsstelle Krebsprävention am DKFZ, die die Studie verfasst hat. War das Marketing für E-Zigaretten früher auf das Internet beschränkt, ist es jetzt im realen Leben angekommen: Geworben wird im Fernsehen, auf Sportveranstaltungen, Musikfestivals und Volksfesten.

An Verkaufsstellen wie Super- und Drogeriemärkten, Tankstellen und Kiosken sei die E-Zigarette zunehmend präsent. Die Werbemotive auf Händlerseiten zeigten attraktive junge Leute im Abenteuerurlaub, beim Barbesuch oder in der Disco. Im Internet werde in Sozialen Medien ein Zusammengehörigkeitsgefühl unter den Konsumenten hergestellt.

Das Marketing bediene sich zum Teil Motive aus der Tabakwerbung und weise Ähnlichkeiten mit Werbung für alkoholische Getränke wie Alcopops auf.

Spezielle E-Zigaretten wie E-Shishas, die meist nikotinfrei seien und wie Kugelschreiber aussehen, würden für den Jugendmarkt als "harmloser Spaß" beworben.

Doch harmlos seien weder die E-Zigarette noch die nikotinfreie E-Shisha. Pötschke-Langer zufolge handle es sich bei der Flüssigkeit, die verdampft wird, um ein Chemikaliengemisch mit der Grundsubstanz Propylenglykol. Beim "Rauchen" würden große Mengen davon über die Atemwege in die Lunge aufgenommen, was zu Reizungen der Bronchien, Augen und der Mundschleimhaut führe.

Die Bronchialzellen gerieten durch die permanente Reizung unter Dauerstress, was letztlich zu Krebs führen könne. Die beigemischten Aromastoffe hätten allergenes Potenzial und in einigen Produkten wurden in den Aerosolen infolge der Erhitzung Schwermetalle wie Nickel und Chrom, Acetaldehyd und sogar Nitrosamine nachgewiesen.

Belastung durch Passivrauchen

Auch eine Belastung der Raumluft müsse angenommen werden, da mit dem Areosol lungengängige Partikel in die Raumluft gelangten, was zum Beispiel das Asthmarisiko bei Kindern erhöhen könne.

Somit seien auch nikotinfreie E-Zigaretten als bedenklich einzustufen und bergen sie die Gefahr des Einstiegs in eine Raucherkarriere, resümierten die Präventionsmedizinerinnen. (bd)

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