Ärzte Zeitung, 20.03.2015

Bewohner untersucht

Niedrigere Lungenkrebs-Gefahr hoch auf dem Berge

Je höher über dem Meeresspiegel Menschen leben, umso geringer ist offenbar das Risiko für Lungenkrebs, nicht dagegen für nichtrespiratorische Tumoren.

PHILADELPHIA. Bei Bakterien ist schon lange bekannt, dass Sauerstoff als Mutagen wirken kann.

Und vor wenigen Jahren hatten Versuche von Forschern am US-Nationalen Krebsinstitut in Bethesda mit Mäusen als Krebsmodell ergeben, dass eine Halbierung der Sauerstoffkonzentration in der eingeatmeten Luft zu einer Lebensverlängerung sowie zu einer Abnahme der DNA-Instabilität und der Tumorgröße führt (PLoS ONE 2011; 6(5): e19785).

Deshalb, und weil es dazu immer mehr Beobachtungsstudien gibt, prüften US-Biostatistiker um Kamen P. Simeonov von der Perelman School of Medicine an der Universität Pennsylvania, ob es eine Assoziation zwischen dem Aufenthalt in großen Höhen mit sinkendem Sauerstoffgehalt und der Krebsentstehung in der Lunge gibt (PeerJ 2015; 3:e705).

Studie lief von 1996 bis 2010

Die Untersuchung stützt sich auf die Befunde von elf Datenbanken in den USA unter anderem mit Informationen zu Risikofaktoren für Krebs, Umweltmesswerten, demografischen Daten und Krebsinzidenzen. Die Forscher konzentrierten sich auf Lungentumoren sowie auf Brust-, Darm- und Prostatakrebs.

Der Zeitraum erstreckte sich über die Jahre zwischen 1996 und 2010. Die Daten stammten von elf US-Staaten mit einer Spanne der Höhen über dem Meeresspiegel zwischen -11 m (Kalifornien) und fast 3500 m (Colorado).

Die Auswertung der Daten erfolgte unter Berücksichtigung vieler Faktoren, unter anderem Rauchen, Klimadaten, Radon- und UV-B-Exposition sowie Bildungsgrad.

Insgesamt sieben Parameter wurden auf ihren Zusammenhang mit der Entstehung von Lungenkrebs überprüft, darunter Niederschläge, Temperatur, Umweltverschmutzung und Sonnenlicht.

Am stärksten war die Assoziation mit Sauerstoff. Mit der Höhe nimmt der Sauerstoffpartialdruck kontinuierlich ab, und zwar bei 1000 m Höhe auf 88,7 Prozent des Ausgangswertes auf Meereshöhe, bei 2000 m auf 78,5 Prozent und bei 3000m 69,2 Prozent.

Zusammenhang zwischen Sauerstoff und Krebsentstehung?

Wie Simeonov und seine Kollegen berichten, verringert sich der Auswertung aller Daten zufolge die Lungenkrebsinzidenz mit jeder Höhenzunahme um 1000 m um 7,23 (99%-Konfidenzintervall zwischen 5,18 und 9,29) pro 100.000 Einwohner.

In den in die Untersuchung einbezogenen 260 Verwaltungsbezirken lag die Lungenkrebsinzidenz im Untersuchungszeitraum im Mittel bei 57 pro 100.000 Einwohner.

Der Zusammenhang zwischen Sauerstoffpartialdruck und Brustkrebs war deutlich schwächer und bei Darm- und Prostatakrebs gar nicht vorhanden. Als Risikofaktor für Lungenkrebs kristallisierte sich nach dem Rauchen nur noch die Höhe über Normalnull heraus.

Aber auch die Ergebnisse dieser Studie müssen erst in weiteren Studien überprüft werden, bevor daraus Konsequenzen gezogen werden können, wie die Wissenschaftler betonen.

Dabei weisen sie auf einen wichtigen Zusammenhang zwischen Sauerstoff und Krebsentstehung bei Kindern hin. Sie zitieren vier zwischen 2000 und 2005 publizierte Studien, in denen über ein erhöhtes Krebsrisiko bei neonataler Sauerstofftherapie berichtet wird. (ple)

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